Trametes (Schmetterlingstramete) – PSK/PSP in der Onkologie

Wenn in der Mykotherapie über Trametes versicolor (früher oft Coriolus versicolor, „Turkey Tail“) gesprochen wird, fallen fast immer zwei Kürzel: PSK und PSP. Und genau hier beginnt die Verwirrung – denn Pilzpulver, Heißwasserextrakt und pharmakologisch standardisierte Extrakte sind nicht dasselbe.

Damit du in deinen Inhalten sauber, wissenschaftlich und zugleich verständlich bleibst, schauen wir uns an: Was tragen klinische Humanstudien tatsächlich? Was sind nur Hinweise? Und was ist Marketing?


1) Erst die Basis: Was ist PSK, was ist PSP – und warum ist das so wichtig?

PSK (Polysaccharide-K, „Krestin“)

  • Ein standardisierter Extrakt (proteingebundene Polysaccharide/Proteoglykane) aus Trametes.
  • Wurde in Japan als adjuvantes (begleitendes) Präparat in der Krebstherapie entwickelt und eingesetzt.

PSP (Polysaccharopeptide)

  • Ebenfalls ein Trametes-Extrakt, aber anderer Stamm/Herstellungsprozess, häufig aus China; oft eher im Umfeld von Nahrungsergänzungen verortet.

Der Knackpunkt

Viele positive klinische Daten beziehen sich nicht auf „Turkey Tail als Pilzpulver“, sondern auf PSK als standardisiertes Produkt. Gleichzeitig sind viele frei verkäufliche Produkte nicht standardisiert, was Vergleichbarkeit und Erwartungsmanagement erschwert.


2) Was ist klinisch am besten belegt?

A) Magenkrebs (Gastric Cancer) – adjuvant nach OP + Standardtherapie

Hier liegt die robusteste Human-Evidenz: Es gibt randomisierte Studien, in denen PSK zusätzlich zur Standardtherapie nach curativer Operation untersucht wurde.

Ein oft zitierter Klassiker: In einer japanischen randomisierten Studie (1990er Jahre) zeigte die PSK-Gruppe Vorteile bei krankheitsfreiem Überleben und Gesamtüberleben im Vergleich zur Standardtherapie allein.

Wichtige Einordnung:

  • Ein Teil der Evidenz stammt aus älteren Therapieschemata und asiatischen Versorgungskontexten. Das macht die Ergebnisse nicht wertlos – aber die Übertragbarkeit auf heutige Protokolle (und auf Europa) ist nicht immer 1:1 garantiert.

B) Darmkrebs (kolorektales Karzinom) – adjuvant nach kurativer OP

Auch beim Kolon-/Rektumkarzinom gibt es klinische Daten, inklusive Meta-Analysen zentral randomisierter Studien, die PSK als adjuvantes Immunochemotherapie-Add-on bewerten.


3) Was ist „hinweisend“, aber nicht so solide?

Speiseröhrenkrebs (Ösophagus)

MSKCC fasst zusammen, dass PSK möglicherweise auch hier Nutzen gezeigt hat – die Gesamtlage ist aber weniger breit als bei Magen/Darm.

Nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (NSCLC) – eher PSP

Für PSP gibt es Hinweise in Kombination mit Chemotherapie bei fortgeschrittenem NSCLC, die als „benefits suggested“ beschrieben werden – das ist aber insgesamt dünner und stärker heterogen.


4) Was ist nicht klinisch belegt (oder wird zu stark behauptet)?

Hier lohnt ein klarer Faktencheck – denn genau diese Punkte tauchen in Werbung und Social Media häufig auf:

❌ „Trametes/PSK/PSP heilt Krebs“ (als Monotherapie)

Dafür gibt es keinen belastbaren klinischen Nachweis. Die Datenlage bezieht sich überwiegend auf adjuvante Anwendung (zusätzlich zur Standardtherapie), nicht als Ersatz.

❌ „Wirkt bei allen Krebsarten gleichermaßen“

Die klinischen Daten sind gemischt (z. B. bei Brustkrebs, Leberkrebs oder Leukämien). MSKCC beschreibt diese Evidenz ausdrücklich als uneinheitlich.

❌ „Jedes Turkey-Tail-Produkt ist gleich“

Nein. OTC-Produkte sind oft nicht standardisiert – daher sind Potenz, Zusammensetzung und Vergleichbarkeit unklar. PSK ≠ PSP ≠ Pilzpulver.


5) Was sagen seriöse kliniknahe Quellen zur Einordnung?

  • MSKCC (Integrative Medicine): PSK als Adjuvans zeigt Nutzen v. a. bei Magen- und Kolorektalkrebs; OTC-Produkte sind oft nicht standardisiert; PSK/PSP nicht automatisch vergleichbar.
  • NCI PDQ (National Cancer Institute): listet Humanstudien, beschreibt immunologische Mechanismen und nennt exemplarische Studien, in denen PSK in adjuvanten Settings untersucht wurde.
  • ASCO Post: ordnet Coriolus als im Allgemeinen gut verträglich ein und verweist auf Überlebensvorteile in GI-Malignomen in Kombination mit Chemotherapie in japanischen Studien.

6) Praxis-Checkliste für „ehrliche“ Empfehlungen (ohne Heilsversprechen)

Wenn du Trametes/PSK/PSP in einem onkologischen Kontext seriös darstellen willst, helfen drei Filterfragen:

  1. Welches Produkt ist gemeint?
    PSK (standardisiert, klinische Daten) vs. PSP (heterogener) vs. Pilzpulver (oft unklarer Gehalt).
  2. Welche Zielsetzung ist realistisch?
    In den besseren Daten geht es nicht um „Tumor weg“, sondern um adjuvante Effekte (z. B. Überleben/Rezidivrisiko in bestimmten Indikationen).
  3. Ist die Anwendung in ein onkologisches Gesamtkonzept eingebettet?
    Seriös ist: ergänzend, abgestimmt mit dem Behandlungsteam – nicht als Alternative.

7) Kurz zur Verträglichkeit (realistisch, ohne „harmlos“-Marketing)

MSKCC nennt als mögliche Nebenwirkungen u. a. dunklen Stuhl und Dunkelfärbung der Fingernägel; außerdem wird zur Rücksprache in Schwangerschaft/Stillzeit geraten und darauf hingewiesen, dass Coriolus-Extrakte in den USA nicht als Krebstherapie zugelassen sind.


8) Integrativer Blick: Wo passt Frequenztherapie in der Kommunikation sauber hinein?

Wenn du integrativ arbeitest, kannst du Trametes/PSK/PSP als biologisch orientierten Baustein (Immunmodulation/Adjuvanz) darstellen – und Frequenztherapie als begleitenden Ansatz zur Unterstützung von Wohlbefinden, Regulationsprozessen und Therapiebegleitung. Wichtig ist die klare Grenze: Nicht ersetzen, sondern ergänzen.


Take-home-Message (für Leser, die nur 20 Sekunden haben)

  • Am besten belegt: PSK als adjuvante Ergänzung v. a. bei Magenkrebs und kolorektalem Krebs (viel Evidenz aus Japan).
  • Hinweise, aber schwächer: Ösophagus (PSK) und NSCLC (PSP).
  • Nicht belegt: „Heilung“ als Monotherapie, „wirkt bei allen Krebsarten“, „jedes Produkt gleich“.

Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Krebsdiagnosen und laufenden Therapien bitte jede Ergänzung (auch Heilpilze) mit dem behandelnden Onkologie-Team abstimmen.

Mythen vs. Fakten: Trametes (Turkey Tail) – PSK/PSP in der Onkologie

Mythos 1: „Turkey Tail (Trametes) ist gleich PSK/PSP.“

Fakt: PSK und PSP sind spezifische Extrakte (standardisiert/definiert je nach Herstellprozess). Pilzpulver, Tee oder „Turkey-Tail-Kapseln“ sind nicht automatisch vergleichbar – Wirkstoffgehalt und Qualität können stark schwanken.

Mythos 2: „PSK/PSP heilt Krebs – auch ohne Chemo/OP.“

Fakt: Die klinischen Daten beziehen sich überwiegend auf adjuvante Anwendung (zusätzlich zur Standardtherapie). Für eine Monotherapie („allein heilt es Krebs“) gibt es keinen belastbaren klinischen Nachweis.

Mythos 3: „PSK/PSP wirkt bei allen Krebsarten gleich gut.“

Fakt: Die Evidenz ist indikationsabhängig. Am stärksten sind Daten zu Magenkrebs und kolorektalem Krebs (PSK als Add-on). Für andere Tumorarten sind Ergebnisse teils gemischt oder zu schwach für klare Aussagen.

Mythos 4: „Wenn es ‚immunstärkend‘ ist, ist es immer sinnvoll.“

Fakt: „Immunmodulation“ ist nicht automatisch gut – sie muss zur Situation passen (z. B. unter Immuntherapie, bei Autoimmunität oder Immunsuppression). Deshalb: immer mit dem Onkologie-Team absprechen.

Mythos 5: „Mehr ist besser.“

Fakt: Höhere Dosierungen sind nicht automatisch wirksamer. Entscheidend sind Produktqualität, Standardisierung, Indikation, Timing und Verträglichkeit – nicht „maximale Menge“.

Mythos 6: „Nebenwirkungen gibt’s keine – ist ja nur ein Pilz.“

Fakt: Trametes-Extrakte gelten oft als gut verträglich, aber Nebenwirkungen sind möglich (z. B. GI-Beschwerden; Berichte über dunklen Stuhl/Nagelverfärbungen). Schwangerschaft/Stillzeit: eher meiden mangels Daten.

Mythos 7: „Wenn es in Japan genutzt wird, ist es automatisch moderner Standard bei uns.“

Fakt: PSK wurde in Japan breit als Adjuvans eingesetzt; viele Studien sind jedoch älter und in anderen Therapiekontexten entstanden. Das macht die Daten interessant – aber nicht 1:1 übertragbar auf jede heutige Leitlinien-Situation.


Mini-Fazit

PSK hat die stärkste klinische Basis als Begleitung der Standardtherapie v. a. bei Magen- und Darmkrebs. PSP und frei verkäufliche „Turkey Tail“-Produkte sind nicht automatisch gleichwertig – hier ist die Evidenz oft schwächer bzw. schwer vergleichbar.

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Herbert Eder

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