Heilpilze werden in der integrativen Onkologie vor allem als Begleitung eingesetzt – mit dem Ziel, Immunfunktionen zu unterstützen, Therapieverträglichkeit und Lebensqualität zu stabilisieren und in manchen Ländern auch adjuvant (zusätzlich) zur Standardtherapie. Wichtig: Heilpilze sind keine Krebstherapie im Sinne einer alleinigen Behandlung und ersetzen keine ärztliche Diagnostik oder Therapie. Der wissenschaftlich belastbare Teil der Pilzmedizin hängt zudem oft an standardisierten Extrakten (z. B. PSK, Lentinan, Sizofiran) – nicht an „Pilzpulver allgemein“.

In diesem Einleitungsartikel ordne ich die 6 Pilze aus deiner Kernliste nach typischen Zielsetzungen in der Onkologie:

  • Trametes versicolor (Turkey Tail / Schmetterlingstramete; PSK/PSP)
  • Lentinula edodes (Shiitake; Lentinan)
  • Schizophyllum commune (Spaltblättling; Schizophyllan/Sizofiran)
  • Ganoderma lucidum (Reishi)
  • Grifola frondosa (Maitake)
  • Agaricus blazei (AbM)

Grundlage sind vor allem Übersichtsarbeiten und klinische Einordnungen (u. a. NCI/PDQ, Cochrane, Metaanalysen/Reviews).


1) Zielsetzung: Adjuvant zur Standardtherapie (Immun-„Response Modifier“ mit klinischer Tradition)

Hier geht es um Pilze/Extrakte, die in Teilen Asiens seit Jahrzehnten zusätzlich zu Chemo/Strahlentherapie/Operation genutzt wurden bzw. werden.

Am stärksten „klassisch adjuvant“ verankert:

  • Trametes versicolor → PSK/PSP
    PSK (Krestin) ist der am bekanntesten klinisch genutzte Extrakt aus Trametes versicolor; es gibt ältere kontrollierte Studien in Magen-/Darmkrebs-Settings und Übersichtsarbeiten zu PSK/PSP.
  • Lentinula edodes → Lentinan (injizierbar in Studien/klinischer Nutzung)
    Zu Lentinan gibt es Metaanalysen im Kontext Magenkrebs + Chemotherapie (adjuvant), inklusive Bewertung von Wirksamkeit/Sicherheit in diesem Setting.
  • Schizophyllum commune → Schizophyllan/Sizofiran (SPG/Sonifilan)
    Für Sizofiran gibt es z. B. Berichte über randomisierte Studien und klinische Anwendung (v. a. gynäkologische Onkologie in Japan).

➡️ Merksatz: Wenn jemand „Heilpilze mit klinischer Adjuvanz-Tradition“ meint, sind es meist genau diese drei Extrakt-Linien (PSK/PSP, Lentinan, Sizofiran).

Unterartikel: „Trametes/PSK–PSP: Was ist klinisch wirklich belegt – und was nicht?“


2) Zielsetzung: Immununterstützung & Rekonvaleszenz (z. B. nach Chemo, bei erhöhter Infektanfälligkeit)

Hier steht weniger „Tumor direkt“, sondern Immunkompetenz im Vordergrund (NK-Zell-Aktivität, T-Zell-Funktion, unspezifische Abwehr). Die klinische Stärke variiert – und ist stark abhängig von Extraktqualität und Studiendesign.

Typische Kandidaten:

  • Trametes versicolor (PSK/PSP) – häufig im Kontext „Immune recovery/secondary prevention“ diskutiert.
  • Maitake (Grifola frondosa) – CAM-Cancer beschreibt begrenzte Evidenz für immunologische Parameter in Patient:innen, aber keine klare klinische Evidenz für direkte Antitumorwirkung in Trials.
  • Reishi (Ganoderma lucidum) – Cochrane: unzureichende Evidenz für „first-line cancer treatment“, mögliche Rolle als Adjunkt bleibt unsicher; Fokus eher auf Immunmarker/Response.
  • Agaricus blazei (AbM) – häufig in integrativen Konzepten; Evidenzlage heterogen, teils präklinisch/kleinere klinische Ansätze.

➡️ Praxisgedanke: Für diese Zielsetzung ist oft entscheidender als „Pilzname“:
Extraktstandardisierung (β-Glucane/Polysaccharide), Verträglichkeit, Interaktionen, Zeitpunkt im Therapieverlauf.

Unterartikel: „Maitake & Immunparameter: Was bedeutet ‘NK-Zellen rauf’ klinisch wirklich?“


3) Zielsetzung: Lebensqualität, Fatigue, Schlaf, Stressbelastung (Supportive Onkologie)

Viele Patient:innen greifen zu Heilpilzen, um sich „stabiler“ zu fühlen – Energie, Schlaf, Allgemeinsymptome. Hier ist die Datenlage oft „weicher“ (Beobachtungen, Umfragen, heterogene Designs), aber das Thema ist in der Praxis sehr relevant.

Typisch eingeordnet:

  • Reishi (Ganoderma lucidum) – wird häufig wegen „Ruhe/Stress/Schlaf“ genutzt; es gibt z. B. Untersuchungen zu berichteten Symptomverbesserungen und Nebenwirkungen bei Krebsbetroffenen (Beobachtungsdaten).
  • Agaricus blazei (AbM) – wird teils zur allgemeinen Stabilisierung (Immun-/Entzündungsmarker) eingesetzt; klinische Qualität der Daten variiert stark.
  • Shiitake/Lentinan – in onkologischen Kontexten wird Lentinan auch mit QOL-Aspekten in Studienlinien erwähnt (v. a. in Kombination mit Chemo-Settings).

➡️ Wichtig: „Ich fühle mich besser“ ist nicht gleichbedeutend mit „Tumor wirkt zurück“. Beides muss sauber getrennt werden.

Unterartikel: „Reishi in der Onkologie: Symptom-Support vs. Heilsversprechen“


4) Zielsetzung: Entzündungsbalance & Schleimhaut-/Darm-Support (z. B. „Chemo-Darm“, allgemeine Resilienz)

Entzündung und Barrierefunktion (Darm/Schleimhäute) sind in der Onkologie echte Schlüsselthemen – nicht nur wegen Nebenwirkungen, sondern auch wegen Ernährung, Mikrobiom, Infektanfälligkeit.

Pilze, die hier oft genannt werden:

  • Lentinan (Shiitake-Extrakt) – Reviews beschreiben antiinflammatorische und immunologische Wirkpfade sowie onkologische Kontexte.
  • Agaricus blazei (AbM) – wird in Reviews häufig als immun-/entzündungsmodulierend beschrieben (Qualität je nach Studie/Produkt).
  • Maitake – eher immunologisch/supportiv eingeordnet, klinisch aber begrenzt belegt.

➡️ Praxisregel: Bei empfindlichem Verdauungstrakt ist oft die Darreichungsform (Extrakt vs. Pulver), die Dosissteigerung langsam und die Begleitung (Ernährung/Medikation) wichtiger als „der richtige Pilz“.

Unterartikel: „Heilpilze & Mikrobiom in der Onkologie: Was ist plausibel, was ist belegt?“


5) Zielsetzung: Onkologische Nachsorge & „sekundäre Prävention“ (Rezidivrisiko im Blick, Immunsystem im Aufbau)

Nach Primärtherapie (OP/Chemo/Strahlentherapie) rückt oft die Frage in den Vordergrund: „Wie kann ich mein System sinnvoll unterstützen?“ In einigen integrativen Leitfäden wird hier insbesondere Trametes/PSK erwähnt.

Häufig genannt:

  • Trametes versicolor (PSK) – in integrativen onkologischen Materialien wird PSK aufgrund klinischer Daten und Tradition für „secondary prevention planning“ diskutiert.
  • Reishi / Maitake / AbM – eher als allgemeine immunologische Supporter, aber mit deutlich variabler Evidenzqualität.

➡️ Wichtig: Nachsorge ist ein Gesamtkonzept: Bewegung, Ernährung, Schlaf, Psychoonkologie, Therapieadhärenz, Nachsorgepläne – Heilpilze sind, wenn überhaupt, ein Baustein.

Geplanter Unterartikel: „Trametes/PSK in der Nachsorge: Sinnvolle Ziele, Grenzen, Qualitätskriterien“


6) Zielsetzung: „Onkologie-tauglich einsetzen“ – Sicherheit, Interaktionen, Qualität (die oft wichtigste Zielsetzung)

Egal, welchen Pilz man wählt: In der Onkologie ist Sicherheit zentral – wegen Leberwerten, Blutgerinnung, Immunsuppression, Transplantationsmedikation, Immuntherapien und „Polypharmazie“.

6.1 Interaktionen & Vorsicht (Kurzcheck)

  • Reishi: Cochrane sieht keine ausreichende Evidenz für „Krebstherapie“, weist aber auf mögliche Adjunktrolle hin; in populären Anwendungen werden auch Interaktionen (z. B. Blutdruck/Blutzucker/Blutgerinnung) diskutiert – daher grundsätzlich medizinisch abklären.
  • Alle Extrakte: Qualität/Verunreinigungen, Deklaration (β-Glucane vs. „Polysaccharide“), Herkunft, Schwermetalle – das ist bei Pilzprodukten entscheidend.

6.2 Der Qualitäts-Dreisatz (praxisnah)

  1. Was genau? (Pilz oder standardisierter Extrakt wie PSK/Lentinan/Sizofiran)
  2. Wozu? (Zielsetzung klar benennen: QOL, Immunaufbau, Nachsorge …)
  3. Womit kollidiert es? (Medikamente, Therapiephase, Leber/Niere, OP-Termine)

Geplanter Unterartikel: „Heilpilze sicher kombinieren: Checkliste für Therapiephasen, Laborwerte, Medikamente“


Bonus: Warum in integrativen Konzepten oft auch Frequenztherapie mitgedacht wird

Viele integrative Ansätze kombinieren biologische Supportmaßnahmen (Ernährung, Mikronährstoffe, Bewegung, Schlaf, Heilpilze) mit regulativen Verfahren wie Frequenztherapie – mit dem Ziel, Stressachsen und Regulationsfähigkeit zu unterstützen. Wichtig bleibt: Frequenztherapie ist schulmedizinisch nicht anerkannt und ersetzt keine Behandlung durch Ärzt:innen oder Heilpraktiker:innen.


Schnellübersicht: Welche Pilze passen zu welcher Zielsetzung?

Adjuvant/klinische Extrakt-Tradition: Trametes (PSK/PSP), Shiitake (Lentinan), Schizophyllum (Sizofiran)
Immunaufbau/Rekonvaleszenz: Trametes, Maitake, Reishi, AbM (Evidenz unterschiedlich)
Lebensqualität/Stress/Schlaf: Reishi (häufig), AbM/Shiitake teils in Support-Kontexten
Entzündung/Darm/Schleimhaut: Lentinan, AbM, teils Maitake (supportiv)
Nachsorge/sekundäre Prävention: Trametes/PSK (häufig genannt), plus supportive Optionen
Sicherheit/Qualität/Interaktionen: alle – immer zuerst klären


Ausblick: Die geplante Unterartikel-Serie (Struktur)

  1. Trametes versicolor: PSK/PSP, klinische Daten, Nachsorge
  2. Shiitake/Lentinan: Chemo-Kombination, QOL, praktische Anwendung
  3. Schizophyllum/Sizofiran: gyn. Onkologie, Studienhistorie, Einordnung
  4. Reishi: Symptom-Support, Sicherheit/Interaktionen, Qualitätsfragen
  5. Maitake: Immunparameter vs. klinische Endpunkte, was heißt das wirklich?
  6. Agaricus blazei (AbM): Heterogene Daten, typische Einsatzfelder, Vorsichtspunkte
  7. Extra: Checkliste „Heilpilze + Onkotherapie“ (Labor, Medikation, Timing)

Medizinischer Hinweis

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Krebsdiagnosen und laufenden Therapien sollten Heilpilze nur in Abstimmung mit dem Behandlungsteam eingesetzt werden – besonders bei Immuntherapien, Gerinnungshemmern, Diabetesmedikation oder Leber-/Nierenproblemen.

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Herbert Eder

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