Heilpilze sicher kombinieren

Checkliste für Therapiephasen, Laborwerte, Medikamente

Heilpilze (z. B. Reishi, Maitake, Trametes/Coriolus, Chaga) werden in der Onkologie häufig als begleitende Maßnahme eingesetzt – meist mit dem Ziel, Symptome zu unterstützen (z. B. Appetit, Schlaf, Erschöpfung, allgemeines Wohlbefinden). Gleichzeitig gilt: Sobald Krebstherapien, Blutwerte und Medikamente im Spiel sind, wird „harmlos“ schnell zu „kompliziert“.

Diese Checkliste hilft Ihnen (und Ihrem Behandlungsteam), Risiken strukturiert abzuklopfen – ohne Heilsversprechen.


1. Die 3 Grundregeln vorab

Regel 1: Alles offenlegen.
Nennen Sie im Onkologie-Team jedes Produkt: Pilzart, Marke, Extrakt/ Pulver, Dosis, Startdatum.

Regel 2: 1 Änderung = 1 Variable.
Nie mehrere neue Präparate gleichzeitig starten. So sind Nebenwirkungen/Interaktionen zuordenbar.

Regel 3: Bei Unsicherheit pausieren.
Gerade rund um OP, bei instabilen Blutwerten, Infekten, neuen Medikamenten.


2. Therapiephasen-Check: Wann ist besondere Vorsicht sinnvoll?

2.1 Vor OP / invasive Eingriffe (Biopsie, Port, Zahn-OP)

10 Tage vor dem Eingriff absetzen, wenn ein Produkt potenziell blutverdünnend wirkt oder wenn Sie Blutverdünner nehmen. (Diese „10-Tage-Regel“ wird für viele Supplemente/Botanicals perioperativ empfohlen.)
Wiederbeginn erst nach Freigabe (Wundheilung, Blutstillung, keine Nachblutung).

Praktisch: Wenn Sie nicht sicher sind, ob „Ihr“ Pilz blutungsrelevant ist → wie blutungsrelevant behandeln und pausieren.

2.2 Während Chemotherapie

Bei stark schwankendem Blutbild konservativ vorgehen (siehe Labor-Stop-Regeln weiter unten).
Extra-Vorsicht bei Infektzeichen/Fieber: lieber pausieren bis geklärt.
Produktqualität (Schwermetalle/Verunreinigungen) kritisch prüfen – Chemo ist keine Phase für „irgendwas aus dem Internet“.

2.3 Während Bestrahlung

Meist ähnlich wie Chemo: stabil starten, keine Experimente bei Hautreaktionen, Infekten, starken Entzündungen.

2.4 Immuntherapie (Checkpoint-Inhibitoren) / starke Immunmodulation

Jede immunmodulierende Begleitung vorab besprechen – v. a. wenn bereits immunvermittelte Nebenwirkungen aufgetreten sind (Dermatitis, Colitis, Hepatitis, Pneumonitis etc.).
Hier gilt besonders: nicht eskalieren, wenn das Immunsystem ohnehin „unter Strom“ steht.

2.5 Targeted Therapy / orale Krebsmedikamente

Interaktionen über Leber-Enzyme/Transporter sind theoretisch möglich – bei oralen Therapien (TKIs etc.) besonders sensibel.
Allgemein wird vor Supplement-Interaktionen über Stoffwechselwege (z. B. CYP-Systeme) gewarnt.

2.6 Nach Therapie / Erhaltung / Survivorship

Oft die sicherste Phase, um niedrig dosiert zu starten (wenn Blutwerte stabil und Medikamente überschaubar).


3. Laborwerte-Check: Welche Werte sind für „Pilz-Pause“ relevant?

3.1 Blutbild (CBC)

Stop-/Pausen-Orientierung (konservativ):
Thrombozyten niedrig (Blutungsrisiko) → pausieren, bis stabil.
Neutrophile/Leukozyten deutlich niedrig (Infektrisiko) → pausieren, bis stabil.
Unklare Blutungszeichen (Hämatome, Nasenbluten, Blut im Stuhl) → sofort abklären.

Warum so streng? Weil während Chemo häufig niedrige Blutwerte auftreten und Supplemente, die Blutung/Infektion begünstigen könnten, besonders ungünstig sind.

3.2 Gerinnung

INR/Quick instabil oder hoch → keine Experimente, besonders nicht zusammen mit potenziell blutungsrelevanten Pilzen.

3.3 Leberwerte (AST/ALT, GGT, Bilirubin)

Neue oder steigende Leberwerte → pausieren und ärztlich klären.
Reishi wird u. a. mit Leberverletzung als möglicher Nebenwirkung geführt.

3.4 Nierenwerte (Kreatinin/eGFR)

Nierenfunktion reduziert → Chaga besonders kritisch prüfen (siehe Medikamenten-/Risiko-Check unten).
Bei Chaga wird u. a. auf Blutungsrisiko mit Blutverdünnern hingewiesen.


4. Medikamenten-Check: Die häufigsten „Risk-Kombis“

4.1 Blutverdünner / Gerinnungshemmer

Beispiele: Warfarin, DOAKs, Heparin, ASS/Clopidogrel, NSAIDs
Hohe Vorsicht / meist Pause, weil Blutungsrisiko steigen kann.

Konkrete Hinweise:

  • Reishi + Blutverdünner: erhöhtes Blutungsrisiko möglich.
  • Maitake + Warfarin: erhöhtes Blutungsrisiko möglich.
  • Chaga + Warfarin: mögliches erhöhtes Blutungsrisiko.

4.2 Diabetesmedikamente / Insulin

Unterzucker-Risiko prüfen, besonders bei Maitake: Maitake kann Blutzucker senken; Kombination kann problematisch sein.

4.3 Immunsuppressiva (z. B. nach Transplantation, bei Autoimmuntherapien)

Reishi meiden bzw. nur nach strenger ärztlicher Freigabe: Reishi kann bei Immunsuppression „nicht sicher“ sein.

4.4 Tumormarker / Labordiagnostik

Achtung bei Reishi-Sporenpulver: kann CA72-4 erhöhen und Testergebnisse/Behandlung stören.

4.5 Schwangerschaft/Stillzeit

Bei Coriolus/Trametes wird zur Rücksprache geraten, da Sicherheit unklar ist.


5) Pilz-spezifische Kurz-Checkliste (praxisnah)

Reishi (Ganoderma lucidum)

Risiko-Flags:
Blutverdünner (Blutung)
Immunsuppressiva (nicht sicher)
Leberwerte auffällig / Lebererkrankung (Leberverletzung möglich)
CA72-4 Monitoring (Sporenpulver kann Wert beeinflussen)

Maitake (Grifola frondosa)

Risiko-Flags:
Warfarin/Blutverdünner (Blutung)
Diabetesmedikamente (Unterzucker)

Chaga (Inonotus obliquus)

Risiko-Flags:
Warfarin/Blutverdünner (Blutung)
Nierenprobleme → besonders konservativ (ärztlich abklären)

Trametes/Coriolus (Turkey Tail, PSK/PSP)

Hinweise:

  • Wird als Extrakt oft als begleitend diskutiert; Nebenwirkungen können u. a. dunkler Stuhl/Nagelverfärbung sein.
  • Für „Yun zhi (Coriolus versicolor)“ wird in einer Interaktionsübersicht kein Effekt auf CYP3A4 angeführt (das heißt nicht „keine Interaktionen“, aber es ist ein beruhigender Punkt bei oralen Therapien).

6) „Stop-Regeln“: Sofort pausieren und abklären, wenn …

  • neue Blutungen, starke Hämatome, Teerstuhl/Blut im Stuhl
  • Fieber/Infektzeichen unter Therapie
  • deutliche neue Hautausschläge, Atemnot, starke Durchfälle (v. a. unter Immuntherapie)
  • stark steigende Leberwerte oder Gelbsuchtzeichen
  • neue Medikamente angesetzt werden (v. a. Blutverdünner, Steroide, Immunsuppressiva)

7) Qualitäts-Check: Damit „Heilpilz“ nicht zum Risiko wird

  • klar deklarierte Pilzart + verwendeter Teil (Fruchtkörper/Myzel)
  • Extraktstandardisierung (z. B. Beta-Glucane) nachvollziehbar
  • unabhängige Laborprüfung (Schwermetalle, Mikrobiologie)
  • kein „Megadosing“ – lieber niedrig starten, beobachten, dokumentieren

8) Dokumentations-Template

Startdatum:
Produkt/Marke:
Pilz & Form: (Pulver/Heißwasser-Extrakt/Spore etc.)
Dosis:
Ziel: (z. B. Schlaf, Fatigue, Appetit)
Parallel-Medikamente:
Laborwerte vor Start: Blutbild, Leber, Niere, Gerinnung
Check nach 7–14 Tagen: Wirkung/Nebenwirkungen/Labor


9) Frequenztherapie

Manche Patient:innen nutzen zusätzlich Frequenztherapie zur Unterstützung von Wohlbefinden und Regulationsprozessen – besonders in belastenden Therapiephasen. Auch hier gilt: immer komplementär, nie als Ersatz für onkologische Standardtherapien, und bei Unsicherheit Rücksprache mit dem Behandlungsteam.


Disclaimer

Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Heilpilze können Nebenwirkungen haben und mit Medikamenten interagieren. Insbesondere während Chemo-, Immun- oder Target-Therapien sowie rund um Operationen ist eine Abstimmung mit dem Onkologie-Team erforderlich.
Frequenztherapie ist schulmedizinisch nicht anerkannt und kann keine Behandlung durch Ärzt:innen oder Heilpraktiker ersetzen.

Author: NLS Informationsmedizin GmbH, Herbert Eder

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Herbert Eder

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