Palliative CRS-HIPEC bei Peritonealkarzinose: Mehr Lebenszeit – aber auch mehr Belastung?

Peritonealkarzinose (PC) – also Tumorabsiedelungen im Bauchfell – gehört zu den Situationen in der Onkologie, die für Betroffene oft besonders belastend sind: Bauchwasser (maligner Aszites), Schmerzen, frühes Sättigungsgefühl, Luftnot durch Druck im Bauchraum, Appetitverlust, Übelkeit, Gewichtsverlust und nicht selten ein (teilweiser) Darmverschluss können die Lebensqualität massiv einschränken. Genau hier setzt eine aktuelle Übersichtsarbeit an, die eine palliative Perspektive auf eine sehr intensive Therapieoption wirft: zytoreduktive Chirurgie (CRS) kombiniert mit hyperthermer intraperitonealer Chemotherapie (HIPEC).

Was ist CRS-HIPEC – und warum überhaupt „palliativ“?

  • CRS (Cytoreductive Surgery) bedeutet: sichtbare Tumorherde im Bauchraum werden so weit wie möglich chirurgisch entfernt.
  • HIPEC bedeutet: direkt im OP wird eine erwärmte Chemotherapie-Lösung im Bauchraum zirkuliert, um mikroskopische Tumorreste lokal zu behandeln.

„Palliativ“ heißt in diesem Kontext nicht „nichts tun“, sondern: Symptome reduzieren, Lebensqualität stabilisieren und – wenn möglich – auch Lebenszeit gewinnen, ohne dass die Belastung der Therapie die Vorteile überwiegt. Genau diese Balance wird in der Review diskutiert.


Die Kernergebnisse der Review – kurz & ehrlich

Die Autor:innen haben 54 Studien (bis Juni 2025) gesichtet und dabei besonders auf Symptome, Lebensqualität, Komplikationen und Überleben geachtet.

1) Symptomkontrolle: Aszites im Fokus

Ein auffälliges Ergebnis: CRS-HIPEC konnte maligne Aszites in einzelnen Studien bis zu 100% auflösen. Insgesamt werden Symptomverbesserungen von 26,5% bis 100% berichtet – teils mit dauerhafter Kontrolle bis zu 90% (je nach Studie und Ausgangslage).

Für viele Betroffene ist das zentral, weil Aszites häufig wiederkehrende Punktionen (Parazentesen), Krankenhausaufenthalte und eine Art „Symptom-Karussell“ nach sich zieht – mit Protein- und Elektrolytverlusten und Infektionsrisiken.

2) Überleben: teils deutlich länger – aber stark abhängig von Auswahl & Tumorart

Über mehrere Tumorarten hinweg zeigt die Review, dass CRS-HIPEC im Median oft längere Überlebenszeiten erreicht als rein systemische Chemotherapie oder nur CRS – allerdings mit großen Spannweiten je nach Primärtumor und Patientenselektion. Genannt werden z.B. Medianüberleben nach CRS-HIPEC von etwa 6,6 bis 50 Monaten, während systemische Therapie allein je nach Kontext etwa 5,2 bis 12,6 Monate erreicht (in den zusammengefassten Studien).

3) Der Preis: relevante Morbidität und nicht zu ignorierende Mortalität

Und jetzt der Teil, den man nicht weichzeichnen darf: CRS-HIPEC ist eine große Operation – und das sieht man in den Zahlen:

  • Morbidiät (schwere Komplikationen) etwa 15,1% bis 56%
  • postoperative Mortalität 0% bis 12% (je nach Zentrum/Studie/Patientenprofil)

Das ist der Grund, warum diese Therapie nicht „für alle“ gedacht ist – und warum die Frage „palliativ sinnvoll?“ so stark von der individuellen Situation abhängt.


Wer profitiert am ehesten?

Die Review betont sehr klar: Patientenselektion ist der Schlüssel.
Immer wieder tauchen zwei Faktoren auf:

  1. Tumorlast im Bauchraum (PCI – Peritoneal Cancer Index)
    Niedrigere PCI-Werte korrelieren häufiger mit besseren Ergebnissen.
  2. Vollständigkeit der Tumorentfernung (CC-Score / Completeness of Cytoreduction)
    Je vollständiger die Zytoreduktion gelingt, desto eher werden sowohl Überlebens- als auch Symptomvorteile gesehen.

Heißt praktisch: Wenn die Krankheit sehr diffus ist oder der Allgemeinzustand stark eingeschränkt, kann der Eingriff mehr schaden als nützen.


Lebensqualität: Der blinde Fleck in der Datenlage

Ein Punkt, der mir an dieser Review gut gefällt: Sie sagt nicht nur „klingt super“, sondern nennt die Lücken.
So hatten nur 5 Studien einen wirklich dedizierten palliativ-symptomatischen Endpunkt, und langfristige (>12 Monate) Lebensqualitäts-Verläufe wurden nicht konsistent berichtet.

In manchen Arbeiten zeigt sich zwar: QoL kann nach anfänglichem Einbruch (3–6 Monate) später wieder auf Baseline zurückkommen – aber insgesamt ist die Messung zu heterogen, um daraus eine saubere „Garantie“ abzuleiten.


Was bedeutet das für Betroffene und Angehörige?

Wenn Peritonealkarzinose vorliegt und Aszites, Schmerzen oder Darmprobleme dominieren, dann kann CRS-HIPEC für ausgewählte Patient:innen eine Option sein, die nicht nur „Zeit“ bringt, sondern auch konkrete Symptomlast reduzieren kann.

Aber: Es ist eine Hochrisiko-Strategie, die

  • eine erfahrene Klinik (High-Volume-Zentrum),
  • multidisziplinäre Planung,
  • und eine sehr saubere Abwägung von Nutzen vs. Belastung
    braucht. Palliative_cytoreductive_surger…

Und wo passt Frequenztherapie in so ein Bild?

Wenn wir über palliative Onkologie sprechen, geht es nicht nur um „Tumor vs. Therapie“, sondern um Regulation, Stabilität und Lebensqualität im Alltag: Schlaf, Stress, Schmerzempfinden, vegetatives Nervensystem, Erschöpfung, Angst.

Hier kann Frequenztherapiebegleitend und komplementär – für manche Menschen ein Baustein sein, um besser mit Symptomen und Belastung umzugehen. Wichtig ist dabei die klare Rollentrennung:

  • Onkologische Maßnahmen (Chemo/OP/HIPEC) gehören in die Hände der spezialisierten Medizin.
  • Komplementäre Verfahren können unterstützend eingesetzt werden – aber nicht als Ersatz.

Gerade bei schweren Verläufen ist eine gute Kommunikation mit dem Behandlungsteam entscheidend: Was ist realistisch? Was ist das Ziel – Symptomkontrolle, Zeit, beides? Und welche Belastung ist akzeptabel?


Disclaimer

Dieser Blogartikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Therapieentscheidungen bei Krebs (inkl. CRS/HIPEC) müssen immer individuell mit dem behandelnden Onkologie- und Chirurgie-Team getroffen werden. Frequenztherapie ist schulmedizinisch nicht anerkannt und kann keine Behandlung durch Ärzt:innen oder Heilpraktiker:innen ersetzen.

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Herbert Eder

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