Symbolische Bakterien und ein Zahnmodell zum Artikel über Actinomyces odontolyticus, mögliche Infektionen und Behandlung.

Von Herbert Eder | Artikelserie DNA-Frequenzen

Actinomyces odontolyticus ist ein Bakterium, das im menschlichen Mund vorkommen kann, ohne Beschwerden zu verursachen. Unter bestimmten Umständen kann es jedoch in tieferes Gewebe gelangen und an Infektionen beteiligt sein. Dabei reicht das mögliche Krankheitsbild von örtlichen Entzündungen bis zu seltenen schweren Infektionen. Entscheidend ist deshalb nicht allein der Nachweis des Bakteriums, sondern die Frage, wo es gefunden wird und welche Beschwerden vorliegen. CDC

Dieser Beitrag erklärt die medizinischen Zusammenhänge: die Einordnung des Organismus, mögliche Eintrittspforten, typische Krankheitsbilder sowie Diagnostik, Behandlung und Vorbeugung. Der zugehörige Eintrag aus der DNA-Frequenzdatenbank wird am Ende kurz dokumentiert.

Was ist Actinomyces odontolyticus?

Actinomyces odontolyticus gehört zu den grampositiven Bakterien. „Grampositiv“ beschreibt eine Eigenschaft bei einer mikrobiologischen Färbung und ist keine Einstufung der Gefährlichkeit. Die Zellen können als unregelmäßig geformte kurze Stäbchen erscheinen. Das Bakterium ist nicht beweglich und bildet keine widerstandsfähigen bakteriellen Sporen. Es wird den unter sauerstoffarmen Bedingungen wachsenden Bakterien zugeordnet. CDC

Warum auch der Name Schaalia odontolytica verwendet wird

Die heute gültige taxonomische Bezeichnung lautet Schaalia odontolytica. Actinomyces odontolyticus ist der ältere wissenschaftliche Name und begegnet weiterhin in medizinischen Veröffentlichungen, Befunden und Datenbanken.

Beide Bezeichnungen beziehen sich auf dieselbe Art. Ein Laborbericht mit dem Namen Schaalia odontolytica beschreibt daher nicht automatisch einen anderen Organismus als ein älterer Bericht mit der Bezeichnung Actinomyces odontolyticus. Für diese Artikelserie bleibt der ältere Name im Titel erhalten, damit der Bezug zum Datenbankeintrag erkennbar ist. LPSN

Welche Rolle spielt das Bakterium im Mund?

Der Mund ist kein steriler Raum. Auf Zähnen und Schleimhäuten leben zahlreiche unterschiedliche Mikroorganismen. Auch Actinomyces odontolyticus ist im Zusammenhang mit der oralen Besiedelung und mit Zahnbelägen beschrieben. Der dokumentierte Typstamm der Art wurde ursprünglich aus tiefen kariösen Zahnveränderungen gewonnen. Das erklärt den engen historischen Zusammenhang zwischen diesem Bakterium und der Zahnmedizin. Leibniz Institute DSMZ

Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Nachweis eine behandlungsbedürftige Infektion bedeutet. Für die Bewertung muss unterschieden werden, ob ein Mikroorganismus lediglich auf einer besiedelten Oberfläche vorkommt oder ob er an einer Entzündung im Gewebe beteiligt ist.

Ein Bakterienname allein ist noch keine Diagnose. Auch bei Actinomyces-Nachweisen aus Blutkulturen muss der Befund zusammen mit Beschwerden, Risikofaktoren und weiteren Untersuchungsergebnissen beurteilt werden. PubMed Central (PMC)

Zahnbelag ist eine Gemeinschaft verschiedener Mikroorganismen

Zahnbelag, auch Plaque genannt, besteht aus einem anhaftenden mikrobiellen Belag. Seine Ansammlung kann Karies und Zahnfleischerkrankungen begünstigen. Eine sinnvolle Mundpflege richtet sich deshalb gegen die übermäßige Bildung und das Verbleiben solcher Beläge – nicht gegen einen einzelnen Namen aus einer Keimliste. Gründliches Zähneputzen und die Reinigung der Zahnzwischenräume sind dabei wesentliche Maßnahmen. nhs.uk

Wie kann eine Infektion entstehen?

Bei Aktinomykosen gelangen Bakterien, die zuvor auf Schleimhäuten vorkamen, durch eine geschädigte Gewebebarriere in tiefere Bereiche. Mögliche Ausgangspunkte sind Entzündungen im Mund, ausgeprägte Zahnschäden oder Verletzungen. Auch Eingriffe können im Einzelfall eine Eintrittspforte darstellen. Die Erkrankung entsteht typischerweise aus der eigenen Besiedelung und wird nicht wie eine gewöhnliche Atemwegsinfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben. nhs.uk

Das bedeutet nicht, dass eine Zahnbehandlung grundsätzlich gefährlich wäre. Vielmehr geht es darum, bestehende Entzündungen zu erkennen, Eingriffe fachgerecht durchzuführen und auffällige Beschwerden anschließend nicht zu übersehen.

Welche Rolle spielt die Immunabwehr?

Schwere Infektionen mit Actinomyces odontolyticus sind unter anderem bei Menschen mit ausgeprägter Immunsuppression beschrieben. Dazu gehören beispielsweise Personen während bestimmter Krebstherapien oder unter hoch dosierter immunschwächender Behandlung. Eine geschwächte Abwehr kann das Eindringen und die Ausbreitung von Bakterien begünstigen. Sie ist jedoch keine zwingende Voraussetzung: Auch bei Menschen ohne bekannte Immunschwäche wurden invasive Erkrankungen dokumentiert. CDC

Welche Erkrankungen und Symptome sind möglich?

Die Beschwerden hängen davon ab, welche Körperregion betroffen ist. Dabei sollten allgemeine Erscheinungsformen einer Aktinomykose und die im Einzelfall nachgewiesene Bakterienart nicht gleichgesetzt werden. Nicht jede Aktinomykose wird durch Actinomyces odontolyticus verursacht.

Entzündungen im Mund-, Kiefer- und Halsbereich

Bei einer Aktinomykose im Kopf-Hals-Bereich können länger bestehende Schwellungen, verhärtete Bereiche und Schwierigkeiten beim Kauen auftreten. Es können sich Abszesse bilden – abgekapselte Ansammlungen von Eiter. Mitunter entstehen Verbindungsgänge zur Hautoberfläche, aus denen Sekret austritt.

Solche Veränderungen gehören untersucht, auch wenn sie zunächst nur wenig schmerzen. Eine anhaltende Schwellung lässt sich weder durch ihr Aussehen noch durch ihre Dauer zuverlässig einem bestimmten Erreger zuordnen. nhs.uk

Zahnabszesse und akute Schwellungen

Ein Zahnabszess kann mit starken Schmerzen, einem geschwollenen Gesicht oder Kiefer, unangenehmem Geschmack und Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes einhergehen. Diese Beschwerden sind nicht spezifisch für Actinomyces odontolyticus, sondern können bei verschiedenen bakteriellen Zahninfektionen auftreten.

Ein vermuteter Zahnabszess benötigt eine rasche zahnärztliche Behandlung. Atemnot, Schluckprobleme oder eine ausgeprägte Schwellung im Mund- und Halsbereich sind Gründe für sofortige medizinische Hilfe. nhs.uk

Infektionen im Brustraum

Selten kann Actinomyces odontolyticus an Infektionen der Lunge oder des Brustfells beteiligt sein. Beschrieben ist beispielsweise ein Pleuraempyem: Dabei sammelt sich Eiter im Raum zwischen Lunge und Brustwand.

Mögliche Beschwerden sind Fieber, Brustschmerzen und Atemnot. Solche Infektionen können gemeinsam mit anderen Bakterien auftreten. Die Behandlung muss dann das gesamte nachgewiesene Erregerspektrum berücksichtigen und gegebenenfalls auch die infizierte Flüssigkeit ableiten. PubMed Central (PMC)

Nachweis in der Blutbahn

Von einer Bakteriämie spricht man, wenn Bakterien im Blut nachgewiesen werden. Ein solcher Befund kann auf eine relevante Infektion hinweisen, muss aber im klinischen Zusammenhang beurteilt werden.

Wichtig sind beispielsweise der Allgemeinzustand, mögliche Entzündungsherde und weitere positive Blutkulturen. Ein Befund darf weder pauschal als harmlos abgetan noch ohne weitere Bewertung mit einer schweren systemischen Erkrankung gleichgesetzt werden. PubMed Central (PMC)

Wie wird die Diagnose gestellt?

Am Anfang stehen die Beschwerden und eine gezielte Untersuchung. Bei einem möglichen Ursprung im Mundraum werden Zähne, Zahnfleisch und angrenzende Bereiche beurteilt. Bei einer vermuteten Infektion im Brustraum können bildgebende Untersuchungen und die Analyse einer Flüssigkeitsprobe notwendig sein.

Entscheidend ist, möglichst aussagekräftiges Material aus dem betroffenen Bereich zu untersuchen. Bei einer Infektion des Brustfellraums kann beispielsweise die Untersuchung der dort gewonnenen Flüssigkeit zur Identifizierung des Erregers beitragen. PubMed Central (PMC)

Welche Aufgaben übernimmt das Labor?

Eine Kultur kann zeigen, welche Bakterien aus einer Probe wachsen. Moderne Identifizierungsverfahren helfen anschließend bei der Artbestimmung. Dazu gehören die massenspektrometrische Identifizierung mittels MALDI-TOF und, bei entsprechender Fragestellung, genetische Untersuchungen.

Der Laborname allein entscheidet jedoch nicht über die Behandlung. Die Bedeutung eines Ergebnisses muss mit der Probenherkunft und dem Krankheitsbild abgeglichen werden. PubMed Central (PMC)

Warum die genaue Artbestimmung hilfreich ist

Eine präzise Identifizierung kann die Auswahl weiterer Untersuchungen und die Interpretation einer Antibiotikaempfindlichkeit unterstützen. Bei oralen Actinomyces-Arten sind unterschiedliche Empfindlichkeitsmuster beschrieben. Deshalb sollte nicht vorausgesetzt werden, dass jedes Antibiotikum gegen jeden entsprechenden Erreger geeignet ist. MDPI

Wie werden Infektionen behandelt?

Die Behandlung richtet sich nach dem betroffenen Organ, der Ausdehnung der Entzündung und dem individuellen Gesundheitszustand. Zwei Fragen stehen im Mittelpunkt: Welche Antibiotika sind geeignet, und muss zusätzlich ein Infektionsherd behandelt werden?

Gezielte Antibiotikatherapie

Penicilline gehören zu den wichtigen Antibiotika bei Infektionen durch Actinomyces-Arten. Untersuchungen an klinischen oralen Isolaten zeigen überwiegend eine gute Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Wirkstoffen dieser Gruppe. Dennoch müssen Artbestimmung, mögliche Begleiterreger, Allergien und der konkrete Befund berücksichtigt werden.

Bei komplizierten Verläufen kann eine gezielte Empfindlichkeitsprüfung besonders hilfreich sein. Die Medikamentenauswahl gehört in ärztliche Hände; eine Selbstbehandlung mit vorhandenen Antibiotikaresten ist keine geeignete Vorgehensweise. MDPI

Den Entzündungsherd behandeln

Bei einem Zahnabszess kann es notwendig sein, Eiter abzuleiten und den erkrankten Zahn zu behandeln. Je nach Befund kommen beispielsweise eine Wurzelkanalbehandlung oder die Entfernung eines nicht erhaltungsfähigen Zahnes infrage.

Antibiotika beseitigen nicht automatisch die zugrunde liegende Zahnursache. Deshalb ist die zahnärztliche Versorgung häufig ein entscheidender Teil der Behandlung. nhs.uk

Auch bei einem Pleuraempyem kann die Ableitung der infizierten Flüssigkeit wesentlich sein. Wenn eine einfache Drainage nicht ausreicht, können weiterführende Eingriffe notwendig werden. PubMed Central (PMC)

Wie lange dauert die Behandlung?

Bei einer tiefen Aktinomykose kann eine längere Antibiotikatherapie erforderlich sein, mitunter über mehrere Monate. Daraus lässt sich jedoch keine pauschale Behandlungsdauer für jeden Nachweis von Actinomyces odontolyticus ableiten. Maßgeblich sind die tatsächliche Erkrankung, die Herdsanierung und der Verlauf. nhs.uk

Was kann zur Vorbeugung beitragen?

Eine gute Mundgesundheit ist ein sinnvoller Ansatzpunkt. Dazu gehören das gründliche Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta und die regelmäßige Reinigung der Zahnzwischenräume. Erwachsene sollten ihre Zähne üblicherweise zweimal täglich etwa zwei Minuten lang putzen.

Wichtig ist die Reinigung aller Zahnflächen, einschließlich schwer erreichbarer Bereiche. Welche Hilfsmittel für die Zahnzwischenräume geeignet sind, kann eine zahnärztliche Fachperson individuell erklären. nhs.uk

Regelmäßige Kontrollen helfen, behandlungsbedürftige Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Schmerzen, wiederkehrende Schwellungen und eitrige Veränderungen sollten nicht über längere Zeit ignoriert werden. Besonders bei einem vermuteten Abszess ist eine zeitnahe Behandlung erforderlich. nhs.uk

Häufige Fragen zu Actinomyces odontolyticus

Ist Actinomyces odontolyticus dasselbe wie Schaalia odontolytica?

Ja. Schaalia odontolytica ist die heute gültige taxonomische Bezeichnung; Actinomyces odontolyticus ist der ältere Name derselben Art. LPSN

Muss jeder Nachweis mit Antibiotika behandelt werden?

Nein. Entscheidend ist, ob tatsächlich eine behandlungsbedürftige Infektion vorliegt. Der Befund muss gemeinsam mit Beschwerden, Probenherkunft und weiteren Untersuchungen beurteilt werden. PubMed Central (PMC)

Können auch Menschen ohne Immunschwäche erkranken?

Ja. Eine Immunschwäche kann schwere Verläufe begünstigen, ist aber keine notwendige Voraussetzung. Entsprechende Infektionen sind auch bei Menschen ohne bekannte Abwehrschwäche beschrieben. PubMed Central (PMC)

Wann ist eine Schwellung im Mundbereich ein Notfall?

Vor allem bei Atem- oder Schluckproblemen, einer starken Schwellung oder deutlichen Schwierigkeiten beim Öffnen des Mundes ist sofortige medizinische Hilfe erforderlich. nhs.uk

Fazit: Den Erreger im medizinischen Zusammenhang betrachten

Bei der Beurteilung von Actinomyces odontolyticus sind drei Fragen besonders wichtig: Wo wurde das Bakterium nachgewiesen? Welche Beschwerden bestehen? Gibt es einen behandlungsbedürftigen Entzündungsherd?

Eine sorgfältige Diagnostik hilft, einen bloßen Nachweis von einer tatsächlichen Infektion zu unterscheiden. Wo eine Erkrankung vorliegt, müssen Antibiotikatherapie und gegebenenfalls die Behandlung des Entzündungsherdes zusammenpassen. PubMed Central (PMC)

Eintrag in der DNA-Frequenzdatenbank

In der verwendeten DNA-Frequenzdatenbank ist folgende Zuordnung dokumentiert:

Actinomyces odontolyticus: 10.620 Hz

Diese Angabe dokumentiert ausschließlich eine Zuordnung aus der DNA-Frequenzdatenbank. Daraus werden keine medizinischen Wirkungsansprüche oder Heilversprechen abgeleitet. Sie ersetzt keine ärztliche Diagnostik oder Behandlung.

author avatar
Herbert Eder

Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und pingbacks sind offen.