Akne behandeln: Hautpflege, wirksame Medikamente und Narben vorbeugen

Unbeschriftete Pflegetube und Spenderflasche mit Handtuch vor einem Spiegel im Badezimmer. Porträtbadge Anna und Herbert rechts unten.

Akne ist eine entzündliche Erkrankung der Haarfollikel und der damit verbundenen Talgdrüsen. Talg und Hautzellen können den Follikelausgang verstopfen; hinzu kommen entzündliche Prozesse und Bakterien, die normalerweise zur Haut gehören. Akne tritt häufig im Gesicht auf, aber auch Rücken, Brust und Schultern können betroffen sein. Sie beginnt oft im Jugendalter, kann jedoch im Erwachsenenalter fortbestehen. [1]

Sie müssen nicht warten, bis Akne einen bestimmten Schweregrad erreicht, um sich beraten zu lassen. Entscheidend ist auch, ob die Haut schmerzt, ob neue Veränderungen entstehen und wie sehr Sie sich im Alltag belastet fühlen. Eine passende Behandlung verbindet realistische Erwartungen mit einem klaren Plan. Ständiges Wechseln zwischen möglichst vielen Produkten macht diesen Plan meist schwerer nachvollziehbar.

Mitesser, Pusteln und tiefe Knoten unterscheiden

Offene und geschlossene Mitesser heißen Komedonen. Die dunkle Farbe eines offenen Mitessers bedeutet nicht, dass Schmutz in der Pore steckt. Entzündliche Veränderungen können als gerötete Papeln oder eitergefüllte Pusteln auftreten. Tief liegende Knoten sind häufig schmerzhaft und können einen schwereren Verlauf anzeigen. Hormone, familiäre Veranlagung und bestimmte Medikamente spielen bei der Entstehung eine Rolle. Reiben, starkes Schrubben und Ausdrücken können Beschwerden verstärken. Die Vorstellung, Akne lasse sich durch besonders gründliches Entfernen von „Unreinheiten“ beseitigen, passt deshalb nicht zu den zugrunde liegenden Vorgängen. [1]

Wann eine ärztliche Untersuchung sinnvoll ist

Bei der Untersuchung werden Art und Verteilung der Hautveränderungen, bisheriger Verlauf und mögliche Narben beurteilt. Zum Gespräch gehören verwendete Pflegeprodukte, Medikamente, familiäre Erfahrungen und gegebenenfalls der Menstruationszyklus. Blutuntersuchungen sind nicht automatisch für jede Akne erforderlich; sie können bei Verdacht auf eine zusätzliche Erkrankung gezielt eingesetzt werden. Das NIAMS beschreibt als Behandlungsziele die Abheilung bestehender Veränderungen, weniger neue Läsionen und die Vorbeugung von Narben. Eine Diagnose soll deshalb nicht nur einen Namen liefern, sondern die Auswahl der nächsten Schritte erleichtern. [2]

Bringen Sie eine Liste der bisherigen Wirkstoffe mit, möglichst einschließlich Anwendungsdauer und Verträglichkeit. Ein Produktname allein lässt oft offen, was tatsächlich verwendet wurde. Schreiben Sie außerdem auf, welches Problem am stärksten belastet: schmerzhafte Knoten, häufig neue Pickel, trockene gereizte Haut oder die Sorge vor Narben. Damit lässt sich der Erfolg später an Ihren eigenen Zielen prüfen.

Hautpflege: Schonend und überschaubar

Seifenfreie Reinigungsprodukte mit hautangepasstem pH-Wert sind häufig besser geeignet als stark alkalische Seifen. Übermäßiges Waschen kann die Haut austrocknen und reizen. Das IQWiG empfiehlt leichte Pflegeprodukte, beispielsweise geeignete Lotionen oder feuchtigkeitsspeichernde Gele. Fettige Salben können Poren zusätzlich verstopfen. Starkes Drücken an tiefen Veränderungen kann die Entzündung verstärken und die Narbenbildung begünstigen. Die Pflege sollte daher weder aus aggressiver Reinigung noch aus ständigem Manipulieren der Haut bestehen. Eine fachliche Beratung kann helfen, wenige verträgliche Produkte auszuwählen, die sich mit der eigentlichen Behandlung kombinieren lassen. [3]

Für den Alltag lohnt sich eine einfache Reihenfolge, die Sie auch an anstrengenden Tagen einhalten können. Fragen Sie, welches Produkt reinigt, welches pflegt und welches den medizinischen Wirkstoff enthält. Nicht jedes Serum braucht einen Platz in dieser Routine. Wenn die Haut brennt oder schuppt, notieren Sie, nach welcher Anwendung dies auftritt, statt sofort mehrere weitere Produkte dagegenzusetzen.

Welche Wirkstoffe auf der Haut helfen können

Zu den etablierten äußeren Behandlungen gehören Benzoylperoxid, Retinoide und Azelainsäure. Sie greifen an unterschiedlichen Vorgängen an und werden teilweise kombiniert. Die Anwendung betrifft je nach Präparat die betroffene Region und nicht nur den einzelnen bereits sichtbaren Pickel. Bis ein Nutzen erkennbar wird, braucht es gewöhnlich mehrere Wochen. Hautreizungen können auftreten; deshalb sollte der Einstieg und eine mögliche Anpassung erklärt werden. Benzoylperoxid kann außerdem Haare und Textilien bleichen. Eine höhere Konzentration ist nicht automatisch besser wirksam, kann aber stärker reizen. Die Auswahl richtet sich nach Hautbild, Verträglichkeit und weiteren persönlichen Voraussetzungen. [4]

Lassen Sie sich zeigen, welche Menge für die vereinbarte Fläche gemeint ist und wie Sie bei Reizung vorgehen sollen. Vereinbaren Sie auch, wann eine erste Bilanz sinnvoll ist. Ein einzelner neuer Pickel am zweiten Behandlungstag beantwortet die Frage nach dem langfristigen Nutzen noch nicht. Umgekehrt muss eine dauerhaft schlecht verträgliche Anwendung nicht ohne Rücksprache weitergeführt werden.

Antibiotika gezielt und begrenzt einsetzen

Antibiotika können bei entzündlicher Akne sinnvoll sein, sind aber keine allgemeine Dauerlösung. Die amerikanische dermatologische Leitlinie empfiehlt, systemische Antibiotika zeitlich zu begrenzen und mit geeigneten äußeren Wirkstoffen, insbesondere Benzoylperoxid, zu kombinieren. Mehrere Wirkmechanismen lassen sich so nutzen, während unnötiger Antibiotikaeinsatz vermieden wird. Für schwere, narbenbildende oder auf Standardbehandlung nicht ausreichend ansprechende Akne wird auch orales Isotretinoin empfohlen. Die Entscheidung berücksichtigt zudem die psychosoziale Belastung. Behandlungsauswahl bedeutet daher nicht, nacheinander möglichst viele Antibiotika ohne überprüfbares Ziel auszuprobieren. [5]

Fragen Sie bei einem Antibiotikum nach dem geplanten Kontrolltermin und danach, welche Behandlung anschließend weiterlaufen soll. Halten Sie Nebenwirkungen und ausgelassene Anwendungen fest, ohne diese aus Sorge vor Kritik zu verschweigen. Nur wenn das Team weiß, wie die Therapie tatsächlich im Alltag funktioniert, lässt sich ein ausbleibender Erfolg sinnvoll beurteilen.

Isotretinoin: Wirksam, aber mit besonderen Anforderungen

Isotretinoin zum Einnehmen gehört zu den wirksamsten Möglichkeiten bei schwerer Akne. Es kann beispielsweise infrage kommen, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend helfen oder erhebliche Narbenbildung droht. Mögliche Nebenwirkungen betreffen unter anderem trockene Haut und Schleimhäute sowie Veränderungen bestimmter Blutwerte. Deshalb sind individuelle Kontrollen erforderlich. Auch die psychische Situation sollte besprochen werden. Berichte über Stimmungsveränderungen müssen ernst genommen werden, ohne daraus pauschal abzuleiten, dass das Medikament bei jeder Person Depressionen verursacht. Die österreichische Patienteninformation empfiehlt, ungewöhnliche Veränderungen der Stimmung während der Behandlung anzusprechen. [6]

Orale Retinoide können ein ungeborenes Kind schwer schädigen. Isotretinoin darf deshalb in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Bei möglicher Schwangerschaft gelten besondere Maßnahmen zur Verhütung und Schwangerschaftstestung, die vor Beginn genau erklärt werden müssen. Auch äußerliche Retinoide sollen nach EMA-Vorgabe während Schwangerschaft und Schwangerschaftsplanung nicht verwendet werden. Teilen Sie Kinderwunsch oder eine mögliche Schwangerschaft daher frühzeitig mit. Die konkrete sichere Alternative und das weitere Vorgehen werden mit der behandelnden Praxis abgestimmt. [7]

Hormonelle Behandlung und individuelle Lebensplanung

Bestimmte kombinierte hormonelle Verhütungsmittel können Aknebeschwerden lindern und kommen für geeignete Patientinnen als zusätzliche Option infrage. Dabei müssen Verhütungswunsch, Gegenanzeigen und Risiken wie venöse Thrombosen berücksichtigt werden. Eine solche Behandlung ist keine rein kosmetische Entscheidung. Ebenso kann nach einer erfolgreichen Akutbehandlung eine Erhaltungstherapie sinnvoll sein, damit weniger neue Mitesser und Entzündungen entstehen. Diese besteht häufig aus äußeren Wirkstoffen. Welche Behandlung fortgeführt wird und wann erneut beurteilt wird, gehört in den individuellen Plan. [6]

Ernährung: Keine sichere Akne-Diät versprechen

Die NICE-Leitlinie sieht bislang nicht genügend Belege, um eine bestimmte Diät allgemein zur Behandlung von Akne zu empfehlen. Das schließt individuelle Beobachtungen nicht aus, rechtfertigt aber keine strikten Verbote ganzer Lebensmittelgruppen für alle Betroffenen. Die Leitlinie empfiehlt zudem geeignete nicht komedogene Pflege- und Sonnenschutzprodukte und weist auf das Narbenrisiko durch wiederholtes Kratzen oder Ausdrücken hin. Bei einer zunächst gewählten Behandlung sollen Wirkung und Nebenwirkungen nach einem geplanten Zeitraum überprüft werden. Ein solches Vorgehen ist nachvollziehbarer als die Zusage, Hautprobleme durch konsequenten Verzicht auf einen einzelnen Nahrungsbestandteil sicher zu lösen. [8]

Wenn Sie einen Zusammenhang vermuten, beschreiben Sie ihn möglichst nüchtern und besprechen Sie ihn. Welche Veränderung haben Sie beobachtet, wie regelmäßig trat sie auf und was wurde gleichzeitig verändert? Die Ernährung sollte nicht zum täglichen Schuldtest werden. Ein Behandlungsplan darf Genuss, soziale Situationen und eine ausreichende Versorgung mit Lebensmitteln berücksichtigen.

Aknenarben sind nicht dasselbe wie dunkle Flecken

Nach einer Entzündung kann eine flache Verfärbung zurückbleiben. Sie wird oft mit einer Narbe verwechselt, verändert die Hautoberfläche aber nicht in gleicher Weise. Echte Aknenarben können eingesunken oder erhaben sein und bleiben häufig längerfristig bestehen. Die American Academy of Dermatology betont, dass eine frühe Behandlung aktiver Akne und das Vermeiden von Drücken oder Kratzen helfen können, weitere Narben zu verhindern. Nicht jeder Pickel führt zu einer Narbe. Aus dem Verlauf einer anderen Person lässt sich daher nicht sicher vorhersagen, wie sich Ihre Haut entwickeln wird. [9]

Die Behandlung vorhandener Narben richtet sich nach deren Form, Tiefe, Verteilung und Hauttyp. Möglich sind verschiedene Verfahren, etwa bestimmte Laserbehandlungen, Peelings, operative Techniken oder Auffüllung eingesunkener Bereiche. Häufig werden Methoden kombiniert. Vor einer Narbenbehandlung sollte die aktive Akne ausreichend kontrolliert sein. Besprechen Sie erwartbare Verbesserung, Ausfallzeit, Kosten und Risiken. Ein Verfahren, das für einen Narbentyp sinnvoll ist, muss für einen anderen nicht passen. Es gibt auch keine Verpflichtung, jede sichtbare Narbe behandeln zu lassen. [10]

Belastung ernst nehmen und andere Hautkrankheiten erkennen

Akne kann Selbstwertgefühl und soziale Kontakte beeinträchtigen und mit Angst oder depressiver Stimmung verbunden sein. Die AAD weist darauf hin, dass die seelische Belastung nicht allein von der sichtbaren Schwere abhängt. Wenn Sie Treffen vermeiden, sich ständig mit Ihrer Haut beschäftigen oder sich über längere Zeit niedergeschlagen fühlen, gehört dies in das Behandlungsgespräch. Dermatologische und psychologische Unterstützung können sich ergänzen. Ihre Belastung muss nicht erst von außen als schwer genug eingeschätzt werden. [11]

Wiederkehrende tiefe Knoten, Abszesse und Verbindungsgänge besonders in Achseln, Leisten, Gesäßregion oder unter den Brüsten können auf Hidradenitis suppurativa, auch Acne inversa genannt, hindeuten. Diese chronische Erkrankung ist von gewöhnlicher Acne vulgaris zu unterscheiden und benötigt eine eigene Behandlung. Die NHS-Information betont außerdem, dass sie nicht durch mangelnde Hygiene erklärt wird. Solche Veränderungen sollten deshalb nicht einfach mit derselben Gesichtspflege behandelt werden, die bei einigen Mitessern hilfreich ist. [12]

Quellen und weiterführende Informationen

  1. NIAMS: Acne – Types, Causes and Risk Factors. Abgerufen am 2026-10-28.
  2. NIAMS: Acne – Diagnosis, Treatment and Steps to Take. Abgerufen am 2026-10-28.
  3. IQWiG: Hautpflege bei Akne. Abgerufen am 2026-10-28.
  4. IQWiG: Akne – Helfen Salben, Tabletten oder Lichtbehandlung?. Abgerufen am 2026-10-28.
  5. American Academy of Dermatology: Guidelines of care for the management of acne vulgaris,2024. Abgerufen am 2026-10-28.
  6. Österreichisches Gesundheitsportal: Akne – Behandlung. Abgerufen am 2026-10-28.
  7. EMA: Updated measures for pregnancy prevention during retinoid use. Abgerufen am 2026-10-28.
  8. NICE NG198: Acne vulgaris – Recommendations, updated2026. Abgerufen am 2026-10-28.
  9. AAD: Acne scars – Overview. Abgerufen am 2026-10-28.
  10. AAD: Acne scars – Consultation and treatment. Abgerufen am 2026-10-28.
  11. AAD: Acne can affect more than your skin. Abgerufen am 2026-10-28.
  12. NHS: Hidradenitis suppurativa. Abgerufen am 2026-10-28.
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Herbert Eder

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