Asthma und Infektionen hängen auf mehreren Ebenen zusammen. Ein Atemwegsinfekt kann Beschwerden bei bestehendem Asthma verstärken. Für die Entstehung der Erkrankung spielen jedoch mehrere Einflüsse eine Rolle, darunter Veranlagung und Umweltbedingungen. Die Vorstellung, hinter jedem Asthma stecke ein einzelner versteckter Erreger, wird dieser Vielfalt nicht gerecht. [1]
Für Betroffene ist vor allem entscheidend, eine Verschlechterung früh zu erkennen und einen verlässlichen Plan zu haben. Dieser Beitrag erklärt, welche Rolle Viren spielen können, was sich aus einer Untersuchung tatsächlich ableiten lässt und wie die ärztliche Behandlung auch während einer Erkältung sinnvoll organisiert wird.
Asthma und Infektionen: Auslöser sind nicht immer Ursachen
Bei Asthma können die Atemwege zeitweise entzündet und verengt sein. Typisch sind wechselnde Beschwerden wie Husten, pfeifende Atmung, Luftnot oder ein Engegefühl im Brustkorb. Die Ausprägung kann zwischen weitgehend beschwerdefreien Phasen und schweren Anfällen schwanken. Wie die Erkrankung verläuft, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. [2]
Viren, die Erkältungen, Influenza oder COVID-19 verursachen, gehören zu möglichen Auslösern einer Verschlechterung. Daneben können unter anderem Allergene, Rauch oder bestimmte Arzneimittel eine Rolle spielen. Dass Beschwerden während eines Infekts zunehmen, ist deshalb zunächst ein Hinweis auf einen Auslöser. Daraus lässt sich nicht automatisch schließen, dass derselbe Erreger die einzige Ursache der gesamten Asthmaerkrankung ist. [1]
Für das Arztgespräch hilft diese Trennung: Beschreiben Sie zuerst, seit wann das Asthma bekannt ist, und danach, was sich beim aktuellen Infekt verändert hat. So bleiben die langfristige Erkrankung und das jetzige Ereignis als zwei miteinander verbundene Fragen erkennbar. Eine pauschale Erklärung über eine vermeintliche chronische Belastung würde beide Fragen vorschnell zusammenfassen.
Was die Forschung zu RSV und späterem Asthma sagt
Die US-amerikanische INSPIRE-Geburtskohorte untersuchte den Zusammenhang zwischen RSV im ersten Lebensjahr und Asthma im Alter von fünf Jahren. Bei den ausgewerteten Kindern kam Asthma nach einer frühen RSV-Infektion häufiger vor als ohne nachgewiesene Infektion. Die Untersuchung war eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt einen Zusammenhang, kann aber allein nicht beweisen, in welchem Ausmaß RSV ursächlich für die spätere Erkrankung verantwortlich war. [3]
Die Forschenden betonten selbst, dass zur Klärung der Kausalität Studien zu vorbeugenden Eingriffen erforderlich sind. Für einzelne Familien folgt daraus weder eine sichere Vorhersage, dass ein Kind nach RSV Asthma entwickeln wird, noch der Nachweis eines jahrelang fortbestehenden Virus als Ursache späterer Beschwerden. Frühere Infektionen sind ein Teil der Krankengeschichte, keine vollständige Diagnose für die Gegenwart. [3]
Welche Beschwerden abgeklärt werden sollten
Für Asthma sprechen können wiederkehrende Phasen von Husten oder pfeifender Atmung, Beschwerden nachts oder frühmorgens und eine Zunahme bei Belastung, Kälte oder Kontakt mit bestimmten Auslösern. Während viraler Infektionen können diese Symptome ausgeprägter sein. Ähnliche Beschwerden kommen jedoch auch bei anderen Erkrankungen vor. Aus dem Husten allein lässt sich daher weder Asthma noch eine bestimmte Infektion sicher erkennen. [4]
Notieren Sie für die Abklärung, ob Beschwerden auch zwischen Erkältungen auftreten, ob Sie nachts aufwachen und ob sich Ihre Belastbarkeit verändert hat. Halten Sie außerdem fest, welche Medikamente Sie wann tatsächlich verwendet haben. Eine nachvollziehbare zeitliche Übersicht hilft mehr als eine rückblickende Schätzung, dass die Atmung seit einer früheren Infektion irgendwie anders sei.
Lungenfunktion und gezielte Untersuchungen
Die Diagnose stützt sich auf die Vorgeschichte, eine ärztliche Untersuchung und passende Tests. Bei der Spirometrie wird gemessen, wie viel Luft und wie schnell Sie ausatmen können. Ein Vergleich vor und nach einem bronchienerweiternden Medikament kann zeigen, ob sich eine Verengung zurückbildet. Je nach Situation werden weitere Untersuchungen oder eine wiederholte Messung vereinbart. [5]
Zusätzliche Tests können beispielsweise die Reaktion der Atemwege auf einen Reiz oder Hinweise auf bestimmte Entzündungsprozesse untersuchen. Welche Untersuchung sinnvoll ist, hängt von Alter, Beschwerden und den bisherigen Ergebnissen ab. Ein einzelner Messwert wird deshalb nicht isoliert bewertet. Ziel ist eine nachvollziehbare Diagnose, nicht eine möglichst große Zahl von Laborbefunden. [5]
Fragen Sie bei einem vorgeschlagenen Test nach seiner Aufgabe: Soll er Asthma bestätigen, die aktuelle Schwere einschätzen oder eine andere Ursache prüfen? Ebenso wichtig ist, welche Konsequenz ein positives oder negatives Ergebnis hätte. Wenn die Antwort unklar bleibt, bitten Sie vor der Untersuchung um eine Erklärung. So können Sie die einzelnen Schritte der Abklärung besser einordnen. Fragen Sie auch, wann und mit wem Sie den Befund anschließend besprechen können.
Die entzündungshemmende Behandlung bleibt zentral
Die GINA-Empfehlungen von 2026 betonen eine Behandlung mit inhalativen Kortikosteroiden für Menschen mit Asthma entsprechend Alter und Situation. Ab sechs Jahren wird eine alleinige Versorgung mit einem kurz wirksamen bronchienerweiternden Bedarfsmittel nicht empfohlen. Welche Kombination und welcher Anwendungsrhythmus passen, wird individuell festgelegt. Dabei zählen Beschwerden, frühere Verschlechterungen, Lungenfunktion und die Inhalationstechnik. [6]
Ein schriftlicher Asthma-Aktionsplan hält fest, welche Medikamente Sie regelmäßig oder bei Bedarf verwenden, woran Sie eine Verschlechterung erkennen und wann Sie Hilfe benötigen. Er sollte konkrete, mit Ihrem Behandlungsteam vereinbarte Schritte enthalten. Gerade für die Erkältungszeit lohnt es sich, diesen Plan griffbereit zu haben. Er ersetzt die Unsicherheit im Akutfall durch bereits besprochene Entscheidungen. [7]
Lassen Sie sich die Inhalation mit Ihrem eigenen Gerät zeigen und führen Sie sie beim Termin selbst vor. Besprechen Sie praktische Schwierigkeiten offen: etwa Probleme beim Auslösen, beim Einatmen oder beim Erinnern an die Anwendung. Unterschiedliche Geräte verlangen unterschiedliche Handgriffe. Eine solche Schulung gehört zum wirksamen Umgang mit der verordneten Behandlung. [7]
Warum Antibiotika nicht automatisch helfen
Die GINA-Leitlinie empfiehlt Antibiotika nicht routinemäßig bei einer akuten Asthmaverschlechterung. Eine zusätzliche Behandlung kann notwendig werden, wenn deutliche Hinweise auf eine bakterielle Lungeninfektion vorliegen. Das ist eine eigene ärztliche Entscheidung. Eine bloße Zunahme von Husten oder pfeifender Atmung begründet deshalb nicht von selbst eine Antibiotikatherapie. [6]
Besprechen Sie bei einem neuen Infekt, ob sich an Ihrem persönlichen Asthmaplan etwas ändern soll. Setzen Sie verordnete Mittel nicht eigenständig durch eine vermutete Erregerbehandlung oder ein ergänzendes Verfahren außer Kraft. Bei zunehmenden Beschwerden ist eine Neubewertung sinnvoller, als nacheinander verschiedene Ansätze auszuprobieren, ohne die Asthmakontrolle erneut prüfen zu lassen. [9]
Nase, Allergien und weitere Belastungen mitbeurteilen
Zur Betreuung gehört auch, Begleiterkrankungen und andere Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Eine anhaltend verstopfte Nase, allergischer Schnupfen oder Nasenpolypen können zusätzliche Aufmerksamkeit benötigen. Bei unzureichender Kontrolle sollten außerdem Anwendungstechnik und tatsächliche Medikamenteneinnahme überprüft werden, bevor die Behandlung allein anhand einer vermuteten neuen Ursache verändert wird. [6]
Bringen Sie deshalb nicht nur den Inhalator, sondern eine vollständige Medikamentenliste zum Termin mit. Dazu gehören auch Nasensprays, frei gekaufte Mittel und Nahrungsergänzungen. Fragen Sie, welche Beschwerden durch den gemeinsamen Plan abgedeckt sind und für welche eine zusätzliche Untersuchung nötig ist. Das hilft, parallele Empfehlungen verschiedener Stellen aufeinander abzustimmen.
Was Sie für den Alltag vereinbaren können
Rauch und andere individuell relevante Auslöser sollten möglichst vermieden werden. Maßnahmen zur Verringerung von Atemwegsinfektionen und die Besprechung sinnvoller Impfungen gehören ebenfalls zur Betreuung. Welche Impfungen aktuell empfohlen werden, richtet sich unter anderem nach Alter, Vorerkrankungen und österreichischen Empfehlungen. Lassen Sie Ihren persönlichen Bedarf bei einem regulären Termin überprüfen. [8]
Körperliche Aktivität ist bei Asthma grundsätzlich wichtig. Wenn Belastung Beschwerden auslöst, sollte eine passende Planung mit dem Behandlungsteam erfolgen, statt Bewegung dauerhaft zu meiden. Auch der Umgang mit Stress kann Teil der Unterstützung sein. Diese Maßnahmen ergänzen die Behandlung; sie ersetzen nicht die Kontrolle der Atemwegsentzündung. [8]
Für die nächste Infektsaison können Sie organisatorisch vorsorgen: Prüfen Sie, ob der schriftliche Plan aktuell ist, die verwendeten Inhalatoren verfügbar sind und Sie die vereinbarten Kontaktwege kennen. Klären Sie außerdem, wer im Urlaub oder am Wochenende erreichbar ist. Solche Vorbereitung macht noch keine Infektion unmöglich, erleichtert aber ein geordnetes Vorgehen, wenn Beschwerden auftreten.
Frequenztherapie und Nahrungsergänzungen einordnen
Ergänzende Ansätze sollten mit der behandelnden Fachperson besprochen werden. Das NCCIH rät ausdrücklich davon ab, ärztlich empfohlene Asthmabehandlungen durch andere Methoden zu ersetzen. Für einen klaren Nutzen von Nahrungsergänzungen bei Asthma gibt es keine überzeugende allgemeine Grundlage. Präparate können zudem mit Arzneimitteln wechselwirken. Ein festgestellter individueller Nährstoffmangel ist eine gesonderte medizinische Fragestellung. [9]
Ein als Frequenztest bezeichneter Gerätebefund ist kein Ersatz für eine klinische Abklärung. Für Bioresonanz- beziehungsweise Vega-Verfahren als Allergietests weist ASCIA auf fehlende diagnostische Verlässlichkeit hin. Daraus lässt sich insbesondere kein bestätigter allergischer Auslöser ableiten, auf den eine Asthmabehandlung eigenständig umgestellt werden sollte. [10]
Die Behauptung, ein Gerät habe einen versteckten Erreger gefunden oder dessen Einfluss gelöscht, braucht einen eigenständigen überprüfbaren Nachweis. Ein technischer Ausdruck und eine gleichzeitig wahrgenommene Besserung reichen dafür logisch nicht aus. Fragen Sie nach einer Untersuchung genau dieses Verfahrens bei Menschen mit gesichertem Asthma und nach einem klinisch relevanten Ergebnis. Eine allgemeine Erklärung über Energie ist keine Antwort auf diese konkrete Frage.
Bei schwerer Verschlechterung sofort handeln
Eine schwere Atemnot, bläuliche Lippen, auffällige Benommenheit oder Beschwerden, die sich trotz des verordneten Notfallvorgehens nicht rasch bessern, erfordern sofort medizinische Hilfe. Warten Sie dann nicht auf einen späteren Termin oder auf die Wirkung eines ergänzenden Verfahrens. Verwenden Sie Ihre verordnete Bedarfsmedikation entsprechend dem persönlichen Aktionsplan und lassen Sie unverzüglich Hilfe organisieren. [11]
Die Rettung erreichen Sie in Österreich unter 144, den Euronotruf unter 112. [12]
Auch nach einer behandelten Verschlechterung sollte der weitere Verlauf überprüft werden. Bei der Nachbesprechung geht es darum, den Auslöser soweit möglich einzuordnen, die Behandlung und Anwendungstechnik zu kontrollieren und den Aktionsplan zu aktualisieren. So wird das Ereignis zu einer konkreten Grundlage für die weitere Betreuung, ohne daraus vorschnell eine einzige verborgene Krankheitsursache abzuleiten. [6]
Quellen und weiterführende Informationen
- NHLBI: Asthma – Causes and triggers. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- NCCIH: Asthma and Complementary Health Approaches. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- Rosas-Salazar et al. 2023: INSPIRE-Geburtskohorte zu RSV und Asthma. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- NHLBI: Asthma – Symptoms. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- NHLBI: Asthma – Diagnosis. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- GINA: Global Strategy for Asthma Management and Prevention, 2026. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- NHLBI: Asthma – Treatment and Action Plan; Abschnitte Aktionsplan und Inhalationsschulung. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- NHLBI: Managing Asthma. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- NCCIH: Five Things to Know About Asthma and Complementary Health Approaches. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- ASCIA: Evidence-based versus non evidence-based allergy tests and treatments. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- NHLBI: Asthma Attack. Abgerufen am 28. Oktober 2026.
- Österreichisches Gesundheitsportal: Notrufnummern. Abgerufen am 28. Oktober 2026.




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