Redaktionell überarbeitet: 30. Oktober 2026
Bei einer akuten lymphatischen Leukämie muss ein Forschungsversprechen besonders genau geprüft werden. Als Herbert Eder trenne ich deshalb die Beobachtungen an einer Zelllinie von Ergebnissen einer Behandlung bei Menschen. Auch die genaue Herkunft des verwendeten Zellmodells gehört zu dieser Einordnung.
ALL und Plasmafrequenzen werden gelegentlich mit einem Laborbericht aus dem Jahr 2023 in Verbindung gebracht. Die dort beschriebenen Versuche fanden an kultivierten Zellen statt. Eine Behandlung von Menschen mit akuter lymphatischer Leukämie wurde in dieser Arbeit nicht untersucht. Entsprechend liefert sie keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis. [1]
Für Betroffene ist diese Unterscheidung unmittelbar wichtig: Eine ALL kann sich rasch entwickeln und muss zügig fachärztlich behandelt werden. Ihre Therapie richtet sich nach der genauen Unterform und weiteren persönlichen Befunden. Ein Forschungsbericht sollte deshalb helfen, Fragen zu stellen, ohne die notwendige Abklärung oder Behandlung zu verzögern. [2]
Was die Studie zu ALL und Plasmafrequenzen tatsächlich berichtet
Holland und Bare verwendeten eine geschlossene Gasplasmaröhre als Quelle oszillierender gepulster elektrischer Felder, abgekürzt OPEF. Mit „Plasma“ ist hier das Gas im technischen Aufbau gemeint. Bei der Zelllinie GM03638 verglichen sie fünf behandelte Versuche mit fünf zuvor durchgeführten Kontrollversuchen. Berichtet wurden bis zu 44 Prozent weniger Wachstum gegenüber der Vergleichsbasis; der angegebene Mittelwert betrug 38 Prozent. [1]
Die vorliegende Fassung vom 7. Mai 2023 ist ein Preprint ohne abgeschlossene fachliche Begutachtung. Die Kontrollen wurden laut Methodenteil vor den Behandlungsversuchen durchgeführt. Damit handelt es sich nicht um eine randomisierte Patientenstudie. Aus den Ergebnissen lassen sich weder eine Heilungswahrscheinlichkeit noch eine sichere Anwendung am Menschen ableiten. [1]
Eine zusätzliche Frage betrifft das verwendete Zellmodell
Unter der Kennung GM03638 führt das Coriell Institute eine B-Lymphozytenlinie aus Blut auf, die durch das Epstein-Barr-Virus transformiert wurde. Der Katalog nennt außerdem besondere Chromosomenmerkmale dieser Zellen. Diese Beschreibung ist für die Interpretation relevant: Ein im Labor verwendetes Zellmodell muss in seinen Eigenschaften genau verstanden werden, bevor Ergebnisse einer bestimmten Leukämieform zugerechnet oder auf verschiedene ALL-Untergruppen übertragen werden. [3]
Die Zellliniendatenbank Cellosaurus bezeichnet GM03638 ebenfalls als transformierte Zelllinie und dokumentiert die EBV-Transformation. Daraus folgt hier kein Vorwurf einer absichtlichen Fehlangabe. Es bleibt aber eine fachlich zu klärende Modellfrage: Welche krankheitstypischen Merkmale sind tatsächlich erhalten, und für welche medizinische Aussage ist dieses System geeignet? Die Bezeichnung einer Probe ersetzt diese Prüfung nicht. [4]
Weniger Zellwachstum ist eine andere Messgröße als Heilung
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel macht den Unterschied deutlich: Steigt eine gedachte Zellzahl in einer Kontrollkultur von 100 auf 200 und unter einer Einwirkung von 100 auf 150, ist das Wachstum gebremst. Trotzdem sind am Ende mehr Zellen vorhanden als am Anfang. Dieses Beispiel verwendet frei gewählte Zahlen; es rekonstruiert nicht die Versuchsdaten. Es zeigt lediglich, weshalb Prozentangaben immer eine klar benannte Bezugsgröße brauchen.
In klinischen Krebsstudien werden deshalb unterschiedliche Endpunkte getrennt bewertet. Dazu gehören Überleben, Lebensqualität, Rückfälle und das Ansprechen der Erkrankung. Das National Cancer Institute betont, dass selbst ein günstiger indirekter Messwert nicht automatisch einen entsprechenden Vorteil für Überleben oder Lebensqualität bedeutet. Je weiter eine Messung von der eigentlichen Behandlungsfrage entfernt ist, desto sorgfältiger muss ihre Bedeutung geprüft werden. [5]
Fragen Sie bei einer Aussage wie „hemmt Krebszellen“ daher zuerst: Welche Zellen wurden untersucht, womit wurde verglichen und was genau wurde gezählt? Danach folgt die entscheidende Frage: Wurde ein Nutzen bei Menschen mit derselben Erkrankung gemessen? Eine eindrucksvolle Zahl ohne diese Angaben hilft Ihnen bei einer Therapieentscheidung nur wenig.
Welche Schritte zwischen Labor und Behandlung liegen
Die Entwicklung eines Medizinprodukts umfasst mehr als den Nachweis einer biologischen Reaktion. Die FDA beschreibt einen Weg von der technischen Entwicklung über präklinische Untersuchungen bis zu Studien am Menschen und einer weiteren Sicherheitsüberwachung. Dabei müssen sowohl Wirksamkeit als auch Risiken des konkreten Produkts bewertet werden. Ein Laborergebnis ist innerhalb dieses Prozesses ein möglicher Ausgangspunkt, kein Abschluss der Prüfung. [6]
Für einen vorgeschlagenen Ganzkörperansatz wären insbesondere Fragen zur tatsächlich erreichten Einwirkung, zu gesundem Gewebe, zur Verträglichkeit und zur gleichzeitigen Anwendung anderer Behandlungen zu beantworten. Diese Fragen sind Prüfanforderungen, keine hier behaupteten nachgewiesenen Schäden. Eine technische Beschreibung allein zeigt noch nicht, ob sich ein gewünschter Effekt im lebenden Menschen zuverlässig und mit vertretbarem Risiko erzielen lässt. [6]
Eine klinische Studie hat dafür einen vorab festgelegten Plan. Dieser beschreibt unter anderem die Behandlung, Untersuchungen, Termine und möglichen Risiken. Teilnahmebedingungen und Betreuung müssen verständlich erklärt werden. Auch eine ordentlich durchgeführte Studie garantiert keinen persönlichen Vorteil: Die neue Behandlung kann weniger wirksam sein oder zusätzliche Nebenwirkungen verursachen. Das gehört zu einer ehrlichen Aufklärung über Forschung. [7]
Warum andere elektrische Krebstherapien den Nachweis nicht ersetzen
Elektrische Felder werden in bestimmten medizinischen Verfahren tatsächlich eingesetzt. Ein Beispiel ist das Optune-System: Die FDA erweiterte 2015 seine Zulassung für eine genau definierte Behandlungssituation beim Glioblastom, in Kombination mit Temozolomid nach vorausgegangener Standardbehandlung. Diese Zulassungsentscheidung betrifft ein bestimmtes Gerät, eine konkrete Anwendung und eine bestimmte Tumorerkrankung. Sie ist kein Beleg für eine Plasmaröhre bei ALL. [8]
Die FDA erläutert bei der Bewertung von Medizinprodukten ausdrücklich, dass die Sicherheit und Wirksamkeit des jeweils geprüften Geräts eigenständig zu belegen sind. Für Ihre Einordnung heißt das: Eine gemeinsame Bezeichnung wie „Frequenz“ oder „elektrisches Feld“ macht unterschiedliche Geräte nicht austauschbar. Entscheidend sind die tatsächliche Technik, die untersuchte Anwendung und die dazugehörigen Ergebnisse. [9]
Auch Rife-Geräte werden mit Krebsbehandlungen beworben. Cancer Research UK sieht für entsprechende Heilungsversprechen keine verlässlichen Belege und warnt davor, eine nachgewiesene Krebsbehandlung zugunsten eines unbewiesenen Verfahrens aufzugeben. Das ist von der offenen Frage zu unterscheiden, welche klar beschriebenen physikalischen Ansätze in künftiger Forschung noch einen Nutzen zeigen könnten. [10]
Woran sich die heutige ALL-Behandlung orientiert
ALL ist keine biologisch einheitliche Erkrankung. Bei Erwachsenen gehören die Untersuchung des Knochenmarks, die Bestimmung von Zellmerkmalen und molekulargenetische Untersuchungen zur grundlegenden Diagnostik. Sie unterscheiden Untergruppen und schaffen die Grundlage dafür, das spätere Ansprechen zu verfolgen. Ein äußerlich ähnlich wirkender Krankheitsverlauf reicht deshalb nicht aus, um dieselbe Behandlung zu empfehlen. [11]
Die aktuelle Onkopedia-Leitlinie vom März 2026 berücksichtigt diese Unterschiede und nutzt die messbare Resterkrankung, kurz MRD, zur Therapiesteuerung. Dabei wird mit empfindlichen Verfahren nach verbliebenen Leukämiezellen beziehungsweise ihren Markern gesucht. Je nach Untergruppe und Verlauf kommen unterschiedliche Kombinationen von Chemotherapie, zielgerichteten Medikamenten, Immuntherapien und gegebenenfalls einer Stammzelltransplantation infrage. [12]
Zu einem ALL-Behandlungsplan gehört außerdem die gezielte Berücksichtigung des zentralen Nervensystems. Auch eine unterstützende Versorgung, etwa zur Vermeidung und Behandlung von Infektionen, ist wesentlich. Die europäischen ELN-Empfehlungen beschreiben diese Maßnahmen als Teil der Gesamtbehandlung. Einen einzelnen Laborparameter zu beeinflussen beantwortet somit noch nicht die vielen Aufgaben, die eine erfolgreiche Leukämietherapie erfüllen muss. [13]
Kinder und Jugendliche werden nach eigenen Therapieprotokollen betreut. Aussagen aus Erwachsenenstudien dürfen deshalb nicht ungeprüft auf sie übertragen werden. Ebenso sind Erstdiagnose, Rückfall und eine Erkrankung, die auf eine Behandlung nicht anspricht, unterschiedliche Situationen. Bringen Sie bei der Besprechung eines neuen Angebots daher immer die genaue Diagnose und die bisherige Therapie zur Sprache. [2]
Ein Beispiel für einen klinisch belegten Fortschritt
Die E1910-Studie untersuchte Blinatumomab zusätzlich zur Konsolidierungschemotherapie bei einer definierten Gruppe Erwachsener zwischen 30 und 70 Jahren mit B-Vorläufer-ALL ohne BCR::ABL1 und bereits MRD-negativer Remission. 224 Personen wurden zufällig auf zwei Behandlungsgruppen verteilt. Nach drei Jahren lag das Gesamtüberleben bei 85 Prozent mit zusätzlichem Blinatumomab und bei 68 Prozent mit Chemotherapie allein. Zugleich wurden mehr neuropsychiatrische Ereignisse unter Blinatumomab berichtet. [14]
Diese Zahlen sind keine Prognose für jede Person mit ALL. Sie zeigen, welche Informationen eine klinische Behandlungsentscheidung tragen können: eine genau beschriebene Patientengruppe, ein Vergleich, ein relevanter Endpunkt und dokumentierte Risiken. Ein Vorteil muss zusammen mit den Grenzen der Studie betrachtet werden. Hoffnung wird dadurch nicht ausgeschlossen, sondern anhand überprüfbarer Ergebnisse konkretisiert. [14]
Die europäische Arzneimittelzulassung umfasst Blinatumomab inzwischen auch als Bestandteil der Konsolidierung bei Erwachsenen mit neu diagnostizierter, Philadelphia-negativer, CD19-positiver B-Vorläufer-ALL. Andere zugelassene Anwendungen haben eigene Voraussetzungen. Ob das Medikament in Ihren Plan passt, hängt deshalb von diesen Merkmalen und dem Behandlungskonzept ab; es ist keine allgemeine Therapie für jede Leukämie. [15]
Welche Fragen Sie zu einem Plasmaangebot stellen können
Bitten Sie um die vollständige Veröffentlichung und fragen Sie nach dem genauen Gerät, der untersuchten Erkrankung und den Ergebnissen bei Menschen. Lassen Sie sich erklären, ob über ein Experiment, eine registrierte klinische Studie oder eine reguläre Behandlung gesprochen wird. Fragen Sie außerdem nach der verantwortlichen medizinischen Betreuung, dokumentierten Nebenwirkungen, Gesamtkosten und dem Vorgehen bei einer Verschlechterung.
Besprechen Sie die Unterlagen mit Ihrem hämatologischen Team. Hilfreich ist eine konkrete Frage wie: „Welche Aussage dieser Arbeit lässt sich auf meine Unterform und meine jetzige Behandlungssituation übertragen?“ Sie müssen technische Details nicht selbst abschließend bewerten. Ein Angebot sollte genügend nachvollziehbare Informationen liefern, damit eine unabhängige fachliche Prüfung möglich ist.
Wenn Sie an neuer Forschung interessiert sind, können Sie nach geeigneten klinischen Studien fragen. Klären Sie dabei auch zusätzlichen Zeitaufwand, Untersuchungen, mögliche Kosten und Alternativen. Eine Studienteilnahme ist eine freiwillige Entscheidung unter definierten Bedingungen. Ein kommerziell angebotenes Gerät wird nicht allein dadurch zu einer klinischen Studie, dass sich seine Werbung auf wissenschaftliche Literatur beruft. [7]
Meine Einordnung: Eine Zelllinie ist keine Behandlungsempfehlung
Die Kennung GM03638 darf nicht allein als Beleg für ein umfassend geeignetes ALL-Modell gelesen werden. Die Katalogbeschreibung als EBV-transformierte B-Lymphozytenlinie macht deutlich, warum das biologische Material und seine Eigenschaften vor jeder Übertragung geprüft werden müssen. [3] [4]
Für die Frequenztherapie ergibt sich daraus eine konkrete Grenze: Eine Wachstumsänderung in dieser Kultur liefert keine Erfolgswahrscheinlichkeit für Ihre Leukämieunterform. Behandlungsentscheidungen müssen an Diagnose, molekularen Befunden und Verlauf ausgerichtet bleiben. Die detaillierte ALL-Therapieplanung gehört in die hämatologische Betreuung. [11] [12]
Warum ein Modellbefund noch keine Krebstherapie begründet, zeigt auch der Beitrag über Zelltod und Krebsforschung.
Die Anforderungen an belastbare Behandlungsnachweise erläutere ich unter klinische Studien zur Frequenztherapie.
Quellen und weiterführende Informationen
- Holland und Bare: Inhibition of Proliferation of Acute Lymphocytic Leukemia by OPEF – bioRxiv-Preprint, 7. Mai 2023 (identische PDF-Kopie). Abgerufen am 2026-10-28.
- gesund.bund.de: Akute lymphatische Leukämie – Stand 31. August 2026. Abgerufen am 2026-10-28.
- Coriell Institute: Katalogbeschreibung der Zelllinie GM03638. Abgerufen am 2026-10-28.
- Cellosaurus: Zelllinie GM03638, CVCL_F187. Abgerufen am 2026-10-28.
- National Cancer Institute: Levels of Evidence for Adult and Pediatric Cancer Treatment Studies. Abgerufen am 2026-10-28.
- US Food and Drug Administration: The Device Development Process. Abgerufen am 2026-10-28.
- National Cancer Institute: Participate in Cancer Treatment Trials. Abgerufen am 2026-10-28.
- FDA: Optune – Zulassungserweiterung P100034/S013, 5. Oktober 2015. Abgerufen am 2026-10-28.
- FDA: Device Development – Pathway to Approval. Abgerufen am 2026-10-28.
- Cancer Research UK: Rife machines and cancer. Abgerufen am 2026-10-28.
- ELN: Diagnosis, prognostic factors and assessment of ALL in adults (2024). Abgerufen am 2026-10-28.
- Onkopedia: Akute Lymphatische Leukämie – Leitlinie März 2026. Abgerufen am 2026-10-28.
- ELN: Management of ALL in adults (2024). Abgerufen am 2026-10-28.
- Litzow et al.: Blinatumomab for MRD-Negative Acute Lymphoblastic Leukemia in Adults – E1910 (2024). Abgerufen am 2026-10-28.
- European Medicines Agency: Blincyto – aktuelle Anwendungsgebiete. Abgerufen am 2026-10-28.
Themenübersicht: Forschung und Studien.




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