Redaktionell überarbeitet: 30. Oktober 2026
„Inselzellkarzinom“ ist ein älterer Begriff, der im heutigen Befund präzisiert werden muss. Besonders wichtig ist die Trennung zwischen einem gut differenzierten neuroendokrinen Tumor der Bauchspeicheldrüse und einem schlecht differenzierten neuroendokrinen Karzinom. Auch ein NET G3 bleibt eine andere Erkrankung als ein NEC. [2] [6]
Als Herbert Eder erläutere ich diese Unterschiede und die Einordnung von Frequenztherapie. Der Beitrag behandelt Tumorgrad, Hormonwirkung, Ausbreitung und passende Therapien als getrennte Fragen. Ein nichtfunktioneller Tumor verursacht kein entsprechendes Hormonsyndrom, kann aber dennoch wachsen. Informationen zum häufigeren duktalen Bauchspeicheldrüsenkrebs lassen sich nicht unverändert auf einen PanNET übertragen. [1]
Was bedeutet Inselzellkarzinom im heutigen Befund?
Bei gut differenzierten NET unterscheidet die Pathologie die Grade G1, G2 und G3. Dafür beurteilt sie unter anderem Zellteilungen und den Ki-67-Index: den Anteil entsprechend angefärbter, vermehrungsaktiver Tumorzellen. „Gut differenziert“ beschreibt das Erscheinungsbild und bedeutet nicht „garantiert harmlos“. Schlecht differenzierte neuroendokrine Karzinome, kurz NEC, bilden eine eigene, grundsätzlich hochgradige Gruppe. Ein hoher Ki-67-Wert allein reicht für die Abgrenzung zwischen NET G3 und NEC nicht aus. [2], [6]
Der Grad beschreibt die Tumorbiologie; die Ausbreitung wird zusätzlich untersucht. Ein langsam wachsender Tumor kann bereits Absiedlungen besitzen. Umgekehrt kann ein biologisch aktiver Tumor noch örtlich begrenzt sein. Lassen Sie sich daher sowohl den genauen Gewebetyp als auch den Befall von Lymphknoten und anderen Organen erläutern. Eine einzige Zahl oder das Wort „Karzinom“ beantwortet diese unterschiedlichen Fragen nicht. [3]
Hormonwirkung und Tumorwachstum sind verschiedene Probleme
Ein funktioneller Pankreas-NET verursacht Beschwerden durch eine übermäßige Hormonwirkung. Dazu können Unterzuckerungen oder Verdauungsbeschwerden wie Durchfälle gehören. Nichtfunktionell bedeutet dagegen, dass kein entsprechendes klinisches Hormonsyndrom vorliegt. Ein solcher Tumor kann trotzdem wachsen und durch seine Lage Beschwerden auslösen. Ob hormonbedingte Symptome vorhanden sind, ist daher eine andere Frage als die nach örtlicher Ausdehnung und Behandlungsbedarf. [1]
Mögliche Beschwerden sind anhaltende Oberbauch- oder Rückenschmerzen, Gewichtsverlust, Durchfall, Schwäche oder eine Gelbfärbung der Augen und Haut. Manche Tumoren werden zufällig entdeckt. Diese Zeichen sind nicht spezifisch für einen NET; anhaltende oder neue Beschwerden sollten aber abgeklärt werden. Für das Gespräch hilft eine Beschreibung, wann die Beschwerden auftreten, ob Mahlzeiten eine Rolle spielen und wie sich Gewicht oder Belastbarkeit verändert haben. [4]
Meist lässt sich keine persönliche Ursache benennen. Bestimmte erbliche Syndrome erhöhen das Risiko, darunter MEN1, von-Hippel-Lindau-Syndrom, Neurofibromatose Typ 1 und tuberöse Sklerose. Wenn solche Erkrankungen bekannt sind oder ähnliche Tumoren in der Familie vorkommen, gehört das in die Anamnese. Daraus kann sich eine humangenetische Abklärung ergeben. Eine bestimmte Ernährung verhindert Pankreas-NET nicht nachweislich; Schuldzuweisungen an den eigenen Lebensstil sind hier nicht angemessen. [4]
Welche Untersuchungen die Behandlung vorbereiten
CT oder MRT zeigen Lage und Ausdehnung. Bei einer Endosonografie wird die Bauchspeicheldrüse mit einem Ultraschallgerät am Endoskop aus der Nähe untersucht; dabei lässt sich häufig Gewebe gewinnen. Auch eine zugängliche Metastase kann für die Diagnose punktiert werden. Die Gewebeuntersuchung soll klären, welche Tumorart tatsächlich vorliegt. Fragen Sie vor einer Biopsie, welche Information noch fehlt und wie das Ergebnis die weitere Behandlung verändern würde. [5]
Eine Somatostatinrezeptor-PET/CT kann bei nichtfunktionellen Pankreas-NET zusätzliche Herde und Rezeptorbesatz darstellen. Sie ersetzt die Gewebediagnose nicht. Auch ein erhöhter Chromogranin-A-Blutwert beweist allein keinen NET, weil andere Einflüsse den Wert erhöhen können. Befunde aus Labor, Bildgebung und Pathologie müssen zusammenpassen; ein einzelner auffälliger Test reicht nicht als Behandlungsgrundlage. [3]
Wann operieren, wann kontrolliert beobachten?
Bei ausgewählten kleinen, beschwerdefreien, nichtfunktionellen NET ist Überwachung möglich. ENETS empfiehlt sie bei höchstens einem Zentimeter ohne erweiterten Pankreasgang; zwischen einem und zwei Zentimetern wird individuell entschieden. Gangaufweitung oder größere Tumoren sprechen stärker für eine Operation. Solche Kriterien gelten für sorgfältig abgeklärte NET und lassen sich nicht auf ein aggressives NEC übertragen. [3]
Bei operablen Tumoren richtet sich der Eingriff nach Lage und Ausdehnung. Eine Entfernung des Pankreasschwanzes unterscheidet sich wesentlich von einer Operation am Pankreaskopf nach Whipple. Das Team bespricht, wie viel Organ erhalten werden kann und welches Operationsrisiko vertretbar ist. Auch bei begrenzten Absiedlungen können ausgewählte Menschen für lokale Eingriffe infrage kommen. Eine Vorstellung im erfahrenen Zentrum hilft, die Möglichkeiten gemeinsam zu beurteilen. [5]
Ein NET G3 schließt eine Operation bei örtlich begrenzter Erkrankung nicht grundsätzlich aus. Die Entscheidung berücksichtigt Tumorbiologie, vollständige Entfernbarkeit und Allgemeinzustand. Für eine routinemäßige zusätzliche Chemotherapie nach vollständiger Entfernung eines NET G3 ist die Evidenz weiterhin unzureichend. Ob eine Vor- oder Nachbehandlung sinnvoll erscheint, sollte das interdisziplinäre Team ausdrücklich begründen; Erfahrungen beim duktalen Pankreaskarzinom ersetzen diese Abwägung nicht. [7]
Behandlung fortgeschrittener Pankreas-NET
Bei fortgeschrittenen gut differenzierten NET stehen mehrere Behandlungswege zur Verfügung. Somatostatinanaloga können neben der Hormonkontrolle auch das Wachstum bestimmter Tumoren bremsen. In der randomisierten CLARINET-Studie verlängerte Lanreotid die Zeit ohne Fortschreiten bei nichtfunktionellen, rezeptorpositiven gastroenteropankreatischen NET mit einem Ki-67 unter zehn Prozent. Diese ausgewählte Studiengruppe ist wichtig: Das Ergebnis belegt keine gleichartige Wirkung bei jedem schnell wachsenden NET oder NEC. [8]
Everolimus ist eine mögliche Tablettenbehandlung bei fortschreitenden, nicht operablen oder metastasierten Pankreas-NET mit entsprechender Differenzierung. Es greift in Wachstumssignale ein. Die Wahl berücksichtigt vorhandene Erkrankungen und mögliche Nebenwirkungen; „zielgerichtet“ bedeutet nicht automatisch, dass ein Medikament den Tumor ausschließlich anhand eines vorher gefundenen Einzelgens behandelt. [9]
Sunitinib ist für fortschreitende, gut differenzierte, nicht operable oder metastasierte Pankreas-NET zugelassen. Es hemmt unter anderem Signalwege der Gefäßneubildung. Unter der Therapie sind Kontrollen erforderlich, beispielsweise wegen Bluthochdruck, Durchfall, Erschöpfung oder Blutbildveränderungen. Eine Tablettentherapie ist deshalb keine Behandlung ohne ärztliche Begleitung. [10]
Wenn eine Chemotherapie sinnvoll ist, kommt unter anderem Capecitabin mit Temozolomid infrage. Die randomisierte Phase-II-Studie E2211 untersuchte diese Kombination bei fortgeschrittenen niedrig- oder mittelgradigen Pankreas-NET gegenüber Temozolomid allein. Die Zeit ohne Fortschreiten wurde verlängert; ein statistisch gesicherter Vorteil im Gesamtüberleben zeigte sich in der endgültigen Analyse nicht. Solche Ergebnisse unterstützen die Auswahl, beantworten aber nicht für jede Person die Frage nach der besten Reihenfolge aller verfügbaren Therapien. [11]
Auch Cabozantinib ist inzwischen eine EU-zugelassene Möglichkeit: bei nicht operablen oder metastasierten, gut differenzierten NET nach Fortschreiten trotz mindestens einer vorherigen systemischen Therapie außer Somatostatinanaloga. Es handelt sich damit nicht um eine pauschale erste Behandlung für jeden neu entdeckten Pankreastumor. [12]
In CABINET lag bei den vorbehandelten Menschen mit Pankreas-NET die mediane Zeit ohne Fortschreiten unter Cabozantinib bei 13,8 statt 4,4 Monaten unter Placebo. Gleichzeitig traten schwere Nebenwirkungen häufiger auf. Die Zahlen beschreiben die untersuchte Gruppe und weder eine Heilungsrate noch Ihre persönliche Lebenserwartung. Nutzen, Beschwerden und Verträglichkeit müssen während der Behandlung erneut gegeneinander abgewogen werden. [13]
Radionuklidtherapie: Rezeptoren, Evidenz und Zulassung
Bei der Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie, kurz PRRT, transportiert ein radioaktiv markiertes Molekül Strahlung zu Zellen mit passenden Somatostatinrezeptoren. Die aktuelle EU-Indikation von Lutathera umfasst erwachsene Menschen mit fortschreitenden, nicht operablen oder metastasierten, gut differenzierten G1/G2-Tumoren des gastroenteropankreatischen Systems und positivem Rezeptornachweis. Die Eignung wird nuklearmedizinisch geprüft. Die Methode ist eine gezielte interne Bestrahlung und keine frei wählbare Anwendung von Gerätefrequenzen. [14]
NETTER-2 untersuchte darüber hinaus eine frühe PRRT bei neu diagnostizierten fortgeschrittenen, gut differenzierten G2/G3-Tumoren mit Ki-67 zwischen zehn und 55 Prozent und geeigneter Rezeptoraufnahme. Gegenüber hoch dosiertem Octreotid wurde die Zeit ohne Fortschreiten deutlich verlängert. Studienergebnis und Zulassung sind jedoch getrennte Fragen: Ein positiver Befund in dieser ausgewählten Gruppe erweitert nicht von selbst die oben genannte EU-Indikation auf sämtliche G3-Tumoren. [15]
Warum ein schlecht differenziertes NEC anders behandelt wird
Bei einem fortgeschrittenen schlecht differenzierten NEC haben häufig platinhaltige Chemotherapien zusammen mit Etoposid eine zentrale Rolle. Das unterscheidet sich vom Vorgehen bei vielen gut differenzierten NET. Bei unklarer Gewebezuordnung kann eine spezialisierte pathologische Zweitbeurteilung deshalb besonders wertvoll sein. Entscheidend ist, dass Bildgebung, Wachstumsgeschwindigkeit und Gewebebefund gemeinsam bewertet werden, bevor eine längerfristige Therapiestrategie festgelegt wird. [6]
Erholung, Verdauung und Nachsorge
Nach einer Teilentfernung der Bauchspeicheldrüse benötigen nicht alle Menschen dauerhaft Insulin und Verdauungsenzyme. Das hängt davon ab, wie viel funktionsfähiges Gewebe verbleibt. Blutzucker und Verdauung werden überwacht. Nach vollständiger Entfernung sind dagegen beide Ersatzbehandlungen notwendig. Lassen Sie sich vor der Entlassung erklären, welche Veränderungen zu erwarten sind und wer Ernährung, Blutzuckereinstellung und gegebenenfalls die Enzymbehandlung weiter betreut. [16]
Bei einer exokrinen Pankreasinsuffizienz ersetzen verordnete Enzympräparate fehlende Verdauungsenzyme. Sie werden zu Mahlzeiten oder Zwischenmahlzeiten eingenommen, damit Nährstoffe besser aufgenommen werden. Einnahme und Anpassung sollten Sie mit dem Behandlungsteam klären. Anhaltende Verdauungsprobleme sind ein Anlass, Wirkung und Anwendung zu überprüfen, statt die Ernährung immer weiter einzuschränken. [17]
Bei NET G3 gehört auch nach vollständiger Entfernung eine engmaschige Verlaufskontrolle zum Behandlungskonzept. Bildgebung und weitere Untersuchungen werden an die Erkrankung angepasst. [6]
Ändert sich die Wachstumsgeschwindigkeit oder passen klinischer Verlauf und Bildgebung nicht mehr zusammen, kann eine erneute Gewebeuntersuchung die Behandlungsentscheidung unterstützen. Besprechen Sie, welche Klinik die Übersicht behält und wie die beteiligten Fachrichtungen ihre Ergebnisse zusammenführen. [7]
Für Ihren nächsten Termin können vier konkrete Fragen hilfreich sein: Wie lautet die vollständige Gewebediagnose? Welches Ziel hat die vorgeschlagene Behandlung jetzt? Woran erkennen wir Nutzen oder fehlende Wirkung? Welche Beschwerden soll ich vor dem nächsten Kontrolltermin melden? Bitten Sie darum, die Antworten und den nächsten Entscheidungspunkt schriftlich festzuhalten. So bleibt der Plan auch dann verständlich, wenn mehrere Fachrichtungen beteiligt sind.
Rezeptorgerichtete Behandlung ist keine allgemeine Frequenzanwendung
Bei neuroendokrinen Tumoren können Hormonkontrolle und Tumorkontrolle unterschiedliche Aufgaben sein. Eine Besserung von Durchfällen oder Unterzuckerungen muss deshalb zusammen mit dem gesamten Befund beurteilt werden. Der Artikel Das endokrine System und seine Hormone bietet die physiologischen Grundlagen, ersetzt aber keine Einordnung des konkreten Tumors.
Die Peptidrezeptor-Radionuklidtherapie nutzt ein radioaktiv markiertes Molekül und passende Somatostatinrezeptoren. Sie ist eine definierte interne Strahlenbehandlung mit bestimmten Voraussetzungen. Daraus folgt keine Wirksamkeit frei gewählter Gerätefrequenzen. [14] Ebenso erweitert ein positives Studienergebnis nicht automatisch eine bestehende Zulassung auf alle höhergradigen Tumoren.
Im Beitrag Wissenschaftliche Studien zur Frequenztherapie erkläre ich die Prüfung von Studiengruppe und Endpunkt. Für PanNET ist besonders wichtig, ob ein untersuchtes Verfahren bei gut differenzierten NET oder bei NEC eingesetzt wurde. Ein hoher Ki-67-Wert allein beantwortet diese Unterscheidung nicht. [6] Fragen Sie nach dem vollständigen Gewebebefund und danach, welches konkrete Ziel der nächste Behandlungsschritt verfolgt.
Quellen und weiterführende Informationen
- Johns Hopkins Medicine: Pancreatic Neuroendocrine Tumor Clinic. Abgerufen am 2026-10-28.
- Arends et al. und WHO-Herausgebergruppe: Changes in the 6th edition of the WHO classification of tumours of the digestive system, 2026. Abgerufen am 2026-10-28.
- ENETS: Guidance paper for nonfunctioning pancreatic neuroendocrine tumours, 2023. Abgerufen am 2026-10-28.
- Mayo Clinic: Pancreatic neuroendocrine tumors – Symptoms and causes, 2025. Abgerufen am 2026-10-28.
- Mayo Clinic: Pancreatic neuroendocrine tumors – Diagnosis and treatment, 2025. Abgerufen am 2026-10-28.
- NANETS: Expert consensus practice recommendations for high-grade gastroenteropancreatic and gynecologic neuroendocrine neoplasms, 2023. Abgerufen am 2026-10-28.
- ENETS: Position statement on treatment of Grade 3 well-differentiated gastroenteropancreatic neuroendocrine tumours, 2025. Abgerufen am 2026-10-28.
- Caplin et al.: Lanreotide in metastatic enteropancreatic neuroendocrine tumors, CLARINET, 2014. Abgerufen am 2026-10-28.
- European Medicines Agency: Afinitor – EU-Indikationen. Abgerufen am 2026-10-28.
- European Medicines Agency: Sutent – EU-Indikationen und Sicherheitsinformationen. Abgerufen am 2026-10-28.
- Kunz et al.: Randomized study of temozolomide or temozolomide and capecitabine in advanced pancreatic NET, ECOG-ACRIN E2211. Abgerufen am 2026-10-28.
- European Medicines Agency: Cabometyx – aktuelle EU-Indikation für NET. Abgerufen am 2026-10-28.
- Chan et al.: Phase 3 trial of cabozantinib to treat advanced neuroendocrine tumors, CABINET, NEJM 2025. Abgerufen am 2026-10-28.
- European Medicines Agency: Lutathera – aktuelle EU-Indikation; Produktinformation August 2026. Abgerufen am 2026-10-28.
- Singh et al.: NETTER-2, randomisierte Phase-III-Studie bei neu diagnostizierten fortgeschrittenen G2/G3-NET, 2024. Abgerufen am 2026-10-28.
- Cancer Research UK: After pancreatic cancer surgery – Insulin and digestive enzyme replacement. Abgerufen am 2026-10-28.
- NIDDK: Treatment for exocrine pancreatic insufficiency. Abgerufen am 2026-10-28.
Themenübersicht: Tumoren verstehen.




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