Redaktionell überarbeitet: 30. Oktober 2026
Morbus Bowen ist ein Plattenepithelkarzinom in situ der Haut. Die veränderten Zellen sind auf die Oberhaut begrenzt; ein bereits invasiver oder streuender Tumor ist damit nicht automatisch nachgewiesen. Neue Verhärtung, Blutung oder ein Knoten innerhalb einer bekannten Stelle können jedoch eine erneute Untersuchung erforderlich machen. [1] [2]
Als Herbert Eder erläutere ich die Einordnung und Fragen zur Frequenztherapie. Bei der Auswahl zwischen Operation, Cremes und anderen örtlichen Verfahren zählen Lage, Ausdehnung, Wundheilung und persönliche Voraussetzungen. Medizinische Lichtverfahren haben dabei genaue Anwendungsbedingungen und sind nicht mit jeder angebotenen Licht- oder Frequenzanwendung gleichzusetzen.
Wie sieht Morbus Bowen aus?
Typisch ist ein umschriebener, langsam größer werdender Fleck mit Schuppen oder Krusten. Er kann flach oder leicht erhaben sein, gelegentlich jucken und ansonsten lange kaum Beschwerden verursachen. Auf heller Haut wirkt er oft rot oder rosa; auf dunkler Haut kann diese Farbe weniger auffallen. Häufig betroffen sind unter anderem Unterschenkel, Kopf und Hals. Es können ein einzelner oder mehrere Flecken vorhanden sein. [2]
Nicht jede Veränderung entspricht diesem typischen Bild. Es gibt auch pigmentierte, braune oder graue Formen, die anderen Hauttumoren ähneln können. Die Untersuchung mit dem Dermatoskop hilft, Oberflächenstrukturen und Gefäßmuster zu beurteilen. Ein Fotovergleich zu Hause kann deshalb keine sichere Diagnose liefern. Besonders bei einem ungewöhnlichen dunklen Fleck sollte nicht allein aufgrund einer Internetabbildung von Morbus Bowen ausgegangen werden. [3]
Wie groß ist das Risiko, dass der Befund invasiv wird?
Der Großteil der Bowen-Befunde entwickelt sich nicht zu einem invasiven Plattenepithelkarzinom. In Patienteninformationen werden für unbehandelte Befunde grob drei bis fünf von hundert als Größenordnung genannt. Diese Schätzung ist keine jährliche Rate und keine verlässliche Vorhersage für eine einzelne Hautstelle. Sie erklärt, weshalb meist eine Behandlung oder eine begründete ärztliche Überwachung empfohlen wird, ohne dass jeder Fleck als unmittelbar lebensbedrohlich eingestuft werden muss. [4]
Neue Verhärtung, ein wachsender Knoten, spontane Blutung oder eine offene, nicht heilende Stelle können Anlass sein, invasives Wachstum auszuschließen. Lassen Sie eine solche Veränderung zeitnah beurteilen. Das gilt auch, wenn die Stelle früher bereits als Morbus Bowen eingeordnet wurde. Eine bekannte Diagnose bedeutet nicht, dass jede spätere Veränderung automatisch zur gleichen, weiterhin oberflächlichen Erkrankung gehört. [2]
Warum entstehen solche Hautveränderungen?
Langjährige UV-Belastung ist ein wichtiger Risikofaktor. Eine geschwächte Immunabwehr durch bestimmte Erkrankungen oder Medikamente erhöht das Risiko ebenfalls. Seltener spielen frühere Strahlenbelastung oder bestimmte andere Einflüsse eine Rolle. HPV kann an einzelnen Lokalisationen beteiligt sein, etwa an Fingern oder im Genitalbereich. Daraus folgt jedoch nicht, dass jeder Bowen-Befund durch HPV entstanden ist oder dass allein ein Virusabstrich die Hautdiagnose klären könnte. [1]
Wenn Sie immunsuppressive Medikamente einnehmen, gehört diese Information in die dermatologische Beurteilung. Auch nach erfolgreicher Behandlung können weitere keratinozytäre Hauttumoren auftreten. Der Blick auf die übrige Haut ist deshalb sinnvoll. Ein neuer Fleck neben der behandelten Stelle muss nicht bedeuten, dass der ursprüngliche Befund „gestreut“ hat; es kann sich um eine zusätzliche, unabhängig entstandene Hautveränderung handeln. [1]
Wann ist eine Gewebeprobe erforderlich?
Eine erfahrene Dermatologin oder ein Dermatologe kann einen typischen Befund häufig anhand der Untersuchung und Dermatoskopie erkennen. Ist die Diagnose unsicher oder muss invasives Wachstum ausgeschlossen werden, wird eine geeignete Gewebeprobe entnommen. Dafür muss die Probe auch die entscheidende Tiefe erfassen. Bei großen oder unterschiedlich aussehenden Arealen können mehrere Proben nötig sein. Bleibt eine behandelte Stelle auffällig oder verändert sie sich, kann eine erneute Biopsie erforderlich werden. [5]
Morbus Bowen kann mit Ekzem oder Psoriasis verwechselt werden. Wenn eine als Entzündung behandelte, umschriebene Stelle nicht abheilt, sollte die Diagnose überprüft werden. Aus der fehlenden Wirkung einer Kortisoncreme allein lässt sich allerdings kein Hautkrebs beweisen. Beschreiben Sie beim Termin, seit wann der Fleck besteht, welche Mittel Sie verwendet haben und wie sich die Stelle darunter verändert hat. [2]
Welche Behandlung passt zur Hautstelle und zu Ihnen?
Es gibt mehrere wirksame Verfahren. Entscheidend sind unter anderem Größe und Lage der Stelle, die zu erwartende Wundheilung und Ihre Wünsche. Eine kleine Veränderung an gut heilender Haut stellt eine andere Aufgabe dar als ein ausgedehnter Befund am Unterschenkel oder nahe am Auge. Besprechen Sie nicht nur, ob eine Methode die veränderten Zellen beseitigen kann, sondern auch Aufwand, Nachbehandlung, mögliche Narbe und die Konsequenz eines unvollständigen Ansprechens. [4]
Bei ausgeprägten Begleiterkrankungen und langsam wachsenden Befunden an schlecht heilender Haut kann manchmal eine geplante Beobachtung vertretbar sein. Gerade am Unterschenkel können Behandlungen länger offene Wunden verursachen. Diese Entscheidung gehört in eine individuelle Abwägung mit klaren Kontrollen und Hinweisen auf Veränderungen, die erneut vorgestellt werden müssen. Sie ist keine Aufforderung, einen ungeklärten Fleck jahrelang selbst zu beobachten. [3]
Operation, Kürettage und Vereisung
Eine operative Entfernung bietet sich besonders an, wenn ein invasiver Anteil vermutet wird, der Befund wiederkehrt oder andere Behandlungen nicht ausreichend gewirkt haben. Das entnommene Gewebe kann untersucht werden. An Stellen, an denen möglichst viel gesunde Haut erhalten bleiben soll, kann eine spezialisierte mikrographisch kontrollierte Operation infrage kommen. Welche Entfernung sinnvoll ist, hängt von der genauen Situation ab. [5]
Bei einer Kürettage wird die veränderte Haut nach örtlicher Betäubung mit einem geeigneten Instrument abgetragen. Anschließend kann die Basis mit Wärme behandelt werden. Es bleibt eine Wundfläche zurück, die nach einem vereinbarten Plan versorgt wird. Dieses Verfahren kann für ausgewählte oberflächliche Befunde geeignet sein. Lassen Sie sich vorab erklären, wie die Wunde im Alltag geschützt wird und wer die Heilung kontrolliert. [6]
Eine Vereisung mit flüssigem Stickstoff zerstört behandelte Zellen durch starke Kälte. Dabei können Schmerzen, Blasen und später Veränderungen der Hautfarbe entstehen. Sie eignet sich nicht gleich gut für jede Stelle und jeden Rückfall. Besonders wichtig ist die zu erwartende Wundheilung. Eine dermatologisch geplante Kryotherapie ist zudem etwas anderes als ein frei verkäufliches Mittel zum Vereisen vermeintlicher Warzen. [6]
Cremebehandlung: Lokal wirksam, aber nicht beliebig austauschbar
5-Fluorouracil, kurz 5-FU, kann bei geeigneten Bowen-Befunden als Creme aufgetragen werden. Hier ist eine örtliche Behandlung gemeint, keine Chemotherapieinfusion. Häufig entstehen während der Anwendung Rötung, Brennen, Nässen oder Krusten. Das Behandlungsteam legt Fläche, Häufigkeit, Dauer und Kontrolltermin fest. Verschiedene Produkte und Wirkstoffstärken sind nicht automatisch für dieselbe Hauterkrankung vorgesehen; verwenden Sie deshalb ausschließlich das konkret verordnete Präparat nach dem vereinbarten Plan. [7]
Starke Schmerzen, ausgeprägte offene Stellen oder eine ungewöhnlich heftige Reaktion sollten mit der behandelnden Stelle besprochen werden. Eine erwartete Entzündung ist kein Grund, jede Verschlechterung kommentarlos hinzunehmen. Wichtig sind außerdem Schutz vor Sonne, sorgfältiges Händewaschen und sichere Aufbewahrung außerhalb der Reichweite von Kindern und Haustieren. Übertragen Sie die Creme nicht durch Hautkontakt auf andere Menschen. Fragen zu Pausen oder zusätzlichen Pflegeprodukten sollten Sie rechtzeitig klären. [7]
Imiquimod wirkt über eine örtliche Immunreaktion und kann ebenfalls entzündliche Hautveränderungen auslösen. Es wird in ausgewählten Situationen bei Morbus Bowen eingesetzt. Der Verlauf muss kontrolliert werden; eine immer stärkere Reaktion ist kein eigenständiges Therapieziel. Besonders bei bestehenden Autoimmunerkrankungen oder anderen relevanten Vorerkrankungen muss die Auswahl sorgfältig erfolgen. Ein Behandlungsschema für Warzen oder eine andere Hautkrebsform sollte nicht ungeprüft auf Ihren Befund übertragen werden. [8]
Morbus Bowen gehört nicht zu den ausdrücklich zugelassenen Anwendungsgebieten von Aldara in der europäischen Arzneimittelinformation. Wird Imiquimod dafür eingesetzt, sollte der Einsatz außerhalb dieser Zulassung mit Begründung, Alternativen und Kontrollplan besprochen werden. [9]
Photodynamische Therapie: Was Licht und Wirkstoff gemeinsam tun
Bei der photodynamischen Therapie, kurz PDT, wird ein Mittel aufgetragen, aus dem in der Haut eine lichtempfindliche Substanz entsteht. Anschließend aktiviert eine geeignete Lichtquelle diese Substanz. Dadurch werden die behandelten Zellen geschädigt. Der Photosensibilisator ist also nicht das Bestrahlungsgerät. Während einer konventionellen PDT können Schmerzen oder Brennen auftreten; das Team kann Maßnahmen zur Linderung anbieten. Auch diese Behandlung muss zum gesicherten Befund und zur betroffenen Hautstelle passen. [10]
Danach kann die Stelle gerötet, geschwollen oder verkrustet sein. Sie erhalten Hinweise zum vorübergehenden Lichtschutz und zur Wundpflege. Krusten sollen nicht absichtlich abgekratzt werden. Bei zunehmender schmerzhafter Rötung oder anderen Hinweisen auf eine Infektion ist eine Rückmeldung erforderlich. Dass eine Stelle zunächst entzündet aussieht, sagt noch nicht sicher, ob der Bowen-Befund vollständig beseitigt wurde; entscheidend ist die Kontrolle nach dem Abheilen. [10]
Die Bowen-Leitlinie empfiehlt konventionelle Rotlicht-PDT als mögliche Behandlung. Für Tageslicht-PDT sieht sie dagegen keine ausreichende Studiengrundlage speziell bei diesem Befund. Ergebnisse verschiedener Lichtverfahren dürfen deshalb nicht ohne Weiteres gleichgesetzt werden. [5]
Was aktuelle Langzeitdaten zum Behandlungserfolg zeigen
Eine im Mai 2026 veröffentlichte Langzeitauswertung einer randomisierten Studie verglich Operation, 5-FU-Creme und eine bestimmte PDT. Nach vier Jahren betrug die geschätzte Wahrscheinlichkeit eines weiterhin tumorfreien behandelten Areals 97,5 Prozent nach Operation, 86,2 Prozent nach 5-FU und 82,7 Prozent nach PDT. Diese Ergebnisse beziehen sich auf die untersuchten Verfahren und ausgewählten Teilnehmenden. Sie sind keine Erfolgsgarantie und kein direkter Vergleich mit jeder anderen angebotenen Methode. [11]
Bei knapp einem Viertel der ursprünglichen Studiengruppe fehlten längerfristige Verlaufsdaten. Das begrenzt die Sicherheit der Schätzungen. Die meisten erfassten Behandlungsfehlschläge waren schon im ersten Jahr aufgefallen; später kam nur ein weiterer dokumentierter Rückfall hinzu. Für Ihre Entscheidung sind deshalb sowohl die erste Erfolgskontrolle als auch die Frage wichtig, welches Verfahren bei einem Restbefund oder späteren Wiederauftreten noch möglich wäre. [11]
Erythroplasie Queyrat: Ein eigener Befund im Genitalbereich
Der historische Begriff Erythroplasie Queyrat bezeichnet Veränderungen an Eichel oder innerer Vorhaut, die zur penilen intraepithelialen Neoplasie, kurz PeIN, gehören. Er ist keine Sammelbezeichnung für alle roten Veränderungen an Mund- oder Analschleimhaut. Solche Befunde können Entzündungen ähneln. Eine Gewebeprobe dient dazu, die Diagnose zu sichern und einen bereits invasiven Anteil auszuschließen. [12]
PeIN braucht eine eigene fachärztliche Behandlungsplanung und konsequente Verlaufskontrollen. Möglich sind je nach Befund lokale Medikamente oder operative Verfahren. Eine Strahlentherapie ist keineswegs automatisch erforderlich, nur weil die Veränderung im Genitalbereich liegt. [13]
Nachkontrolle und Schutz der übrigen Haut
Nach dem Abheilen soll geprüft werden, ob noch ein verdächtiges Areal besteht. Bleibende raue Schuppung kann auf ein unvollständiges Ansprechen hindeuten und muss neu beurteilt werden. Fragen Sie ausdrücklich, wann die Erfolgskontrolle stattfindet und welche Veränderungen Sie vorher melden sollen. [3]
Schatten, schützende Kleidung und geeigneter Sonnenschutz verringern weitere UV-Belastung. Eine Sonnencreme bietet keinen vollständigen Schutz und ergänzt deshalb Kleidung und Schatten. Auch nach erfolgreicher Behandlung bleibt dieser Schutz der übrigen Haut sinnvoll. [10]
Die HPV-Impfung schützt vor neuen Infektionen mit erfassten Virustypen, behandelt aber keine bestehende HPV-Erkrankung. Sie ersetzt deshalb weder die Behandlung eines Bowen-Befunds noch die Kontrolle einer unklaren Hautstelle. Ein individuelles Impfgespräch sollte sich an den geltenden Empfehlungen orientieren, ohne daraus ein allgemeines Heilungsversprechen für Morbus Bowen abzuleiten. [14]
Lichtbehandlung und Frequenzversprechen konkret vergleichen
Bei der photodynamischen Therapie wirken ein lichtsensibilisierender Stoff und eine passende Lichtquelle zusammen. Das untersuchte Verfahren besteht aus dieser definierten Kombination und ihrem Anwendungsschema. [10] Ein allgemeiner Hinweis auf eine Lichtfrequenz liefert deshalb keinen Nachweis für die Behandlung eines Bowen-Befunds. Auch konventionelle Rotlicht-PDT und Tageslicht-PDT sind nicht ohne Weiteres austauschbar. [5]
Der Beitrag Wissenschaftliche Studien zur Frequenztherapie erklärt, wie konkrete Verfahren und Ergebnisse verglichen werden. Für die Haut ist zudem die Erfolgskontrolle nach dem Abheilen wichtig: Eine starke Entzündung während der Behandlung oder eine abfallende Kruste beweist keine vollständige Beseitigung der veränderten Zellen.
Unter Was ist eine Biopsie? wird die Rolle der Gewebeprobe erläutert. Bei einem verdächtigen tieferen Anteil muss die Probe die entscheidende Hauttiefe erfassen. [5] Zusätzliche Anwendungen sollten die dermatologische Beurteilung nicht verzögern. Fragen Sie vor der Behandlung, welches Ergebnis erwartet wird, wann die Kontrolle stattfindet und welcher nächste Schritt bei einem verbleibenden oder erneut auftretenden Befund vorgesehen ist.
Quellen und weiterführende Informationen
- DermNet: Intraepidermal squamous cell carcinoma. Abgerufen am 2026-10-28.
- NHS: Bowen’s disease. Abgerufen am 2026-10-28.
- Primary Care Dermatology Society: Bowen’s disease, aktualisiert Juni 2026. Abgerufen am 2026-10-28.
- Cancer Research UK: Bowen’s disease, aktualisiert März 2026. Abgerufen am 2026-10-28.
- British Association of Dermatologists: Leitlinie SCC in situ/Bowen disease 2022, publiziert 2023. Abgerufen am 2026-10-28.
- Cancer Council Australia: Other treatments for skin cancer, aktualisiert August 2026. Abgerufen am 2026-10-28.
- British Association of Dermatologists: 5-fluorouracil cream, aktualisiert August 2025. Abgerufen am 2026-10-28.
- DermNet: Imiquimod. Abgerufen am 2026-10-28.
- Europäische Arzneimittel-Agentur: Aldara – Anwendungsgebiete. Abgerufen am 2026-10-28.
- British Association of Dermatologists: Photodynamic therapy. Abgerufen am 2026-10-28.
- Moermans et al. 2026: Langzeitvergleich von Operation, 5-Fluorouracil und PDT bei Morbus Bowen. Abgerufen am 2026-10-28.
- DermNet: Penile intraepithelial neoplasia. Abgerufen am 2026-10-28.
- EAU-ASCO 2026: Peniskrebs-Leitlinie, Behandlung nichtinvasiver PeIN. Abgerufen am 2026-10-28.
- CDC: Clinical overview of HPV – vorbeugende und nicht therapeutische Wirkung der Impfung. Abgerufen am 2026-10-28.
Themenübersicht: Tumoren verstehen.




Kommentare sind geschlossen, aber trackbacks und pingbacks sind offen.