Bartonella und Borreliose: Zecken, Tests und Krankheitsbilder auseinanderhalten

Redaktioneller Stand: 30. Oktober 2026

Lyme-Borreliose und Bartonellosen sind unterschiedliche Infektionen. Zur Borreliose gehört die typische Wanderröte; ihre Diagnose und Behandlung beschreibt die Leitlinie zur kutanen Lyme-Borreliose. [1] Unter Bartonellosen fasst die UKHSA dagegen unter anderem Katzenkratzkrankheit, Fünftagefieber und Carrion-Krankheit zusammen. [2] Die Bezeichnung „Bartonella-Borreliose“ vermischt diese Zusammenhänge.

Die Unterscheidung hat praktische Folgen. Wer nach einem Zeckenstich einen auffälligen Befund erhält, braucht eine Antwort auf drei getrennte Fragen: Welche Erkrankung liegt vor? Was zeigt der Test? Und wodurch könnte die Infektion übertragen worden sein? Ein einzelner positiver Wert beantwortet nicht automatisch alle drei.

Was über Zeckenübertragung bekannt ist

Die CDC halten fest, dass eine Übertragung von Bartonellen durch Zeckenstiche auf Menschen bislang nicht belegt ist. Die bekannten Übertragungszusammenhänge unterscheiden sich je nach Bartonella-Art und betreffen insbesondere Flöhe beziehungsweise Katzenkontakt, Kleiderläuse und Sandmücken. [3]

Ein oft zitierter Versuch von 2011 zeigte die Übertragung von B. birtlesii durch Ixodes-ricinus-Zecken auf Mäuse. [4] Er beantwortet damit eine Frage zum Tiermodell. Er misst weder die Häufigkeit menschlicher Infektionen noch die Übertragung einer anderen Art wie B. henselae auf Menschen.

Eine US-Studie von 2024 ergänzte die Diskussion mit Freilanddaten: In 1.641 wirtssuchenden Ixodes-scapularis-Zecken und 966 Ixodes-pacificus-Zecken wurde keine Bartonella-DNA gefunden. [5] Das Ergebnis betrifft diese Populationen und Arten. Es ist kein flächendeckender europäischer Nachweis. Ebenso wenig lässt sich daraus ableiten, dass ein positives Ergebnis einer anderen Untersuchung grundsätzlich falsch sein müsse.

Eine typische Wanderröte braucht keinen vorher positiven Bluttest

Nach der deutschen Leitlinie wird eine typische Wanderröte klinisch diagnostiziert und behandelt; weitere Laboruntersuchungen sind dafür nicht erforderlich. Bei untypischen Veränderungen sieht die Leitlinie dagegen zusätzliche Abklärung vor. [1]

Wenn sich eine Rötung ausbreitet, dokumentieren Sie Größe und Zeitpunkt und lassen Sie die Stelle ärztlich beurteilen. Fragen Sie, ob der Befund einer typischen Wanderröte entspricht oder ob andere Ursachen geprüft werden. Der Beitrag über Lyme-Borreliose und ihre Behandlung erläutert diesen Zusammenhang ausführlicher.

Zwei positive Antikörperwerte beweisen keine aktive Koinfektion

Borrelienantikörper können früh noch fehlen und nach einer Infektion über Monate oder Jahre nachweisbar bleiben. Der Wert allein zeigt deshalb nicht, ob aktuell noch Bakterien vorhanden sind. [6] Ein Verlauf ausschließlich anhand wiederholter IgG-Messungen kann die klinische Beurteilung nicht ersetzen.

Bei Bartonella kommt ein anderer Punkt hinzu: Das Referenzlabor Public Health Ontario weist bei der B.-henselae-Serologie auf deutliche Kreuzreaktionen mit anderen Bartonella-Arten hin. Deshalb sind Angaben zu Beschwerden, Tierkontakt und Erkrankungsbeginn wichtig. [7] Eine Reaktion gegen ein verwendetes Testantigen ist nicht automatisch eine eindeutige Artbestimmung.

Wenn zwei Tests positiv ausfallen, sollte daher jeder Befund einzeln erklärt werden. Erst danach lässt sich sinnvoll besprechen, ob beide eine gegenwärtige Erkrankung stützen. Selbst eine bestätigte gleichzeitige Infektion würde noch nicht beweisen, dass beide Erreger durch dieselbe Zecke übertragen wurden.

Welche Zusatzuntersuchung verändert die Entscheidung?

Die UKHSA richtet eine Bartonella-Abklärung am passenden Krankheitsbild aus; je nach Situation kommen Serologie, PCR oder Gewebeuntersuchungen infrage. [2] Die Borrelioseleitlinie rät dagegen von nicht ausreichend belegten Verfahren wie Lymphozytentransformationstests für die Routinediagnostik ab. [1] Mehr Tests sind deshalb nicht automatisch mehr Gewissheit.

Bitten Sie bei einem angebotenen Zusatztest um eine konkrete Erklärung: Welche offene Frage beantwortet er? Welche Behandlung würde ein positives Ergebnis rechtfertigen? Was folgt bei einem negativen Ergebnis? Bleiben Beschwerden bestehen, ist eine erneute strukturierte Beurteilung sinnvoll. Dazu gehören auch alternative Ursachen und eine Überprüfung der bisherigen Diagnose. Eine seltene Erregerbezeichnung sollte erst dann Teil eines Behandlungsplans werden, wenn die Befunde diese Zuordnung tragen.

Sources and Further Information

  1. Deutsche Leitlinie: Kutane Lyme-Borreliose (englische Veröffentlichung 2025). Geprüft am 30. Oktober 2026.
  2. UKHSA: Bartonella – diagnostic services. Geprüft am 30. Oktober 2026.
  3. CDC: About Bartonella. Geprüft am 30. Oktober 2026.
  4. Reis et al. (2011): Ixodes ricinus überträgt B. birtlesii im Mausmodell. Geprüft am 30. Oktober 2026.
  5. Primärstudie (2024): No evidence of Bartonella in host-seeking Ixodes ticks. Geprüft am 30. Oktober 2026.
  6. CDC: Testing and Diagnosis for Lyme Disease. Geprüft am 30. Oktober 2026.
  7. Public Health Ontario: Bartonella henselae – serology. Geprüft am 30. Oktober 2026.
author avatar
Herbert Eder
Herbert Eder ist Frequenzforscher, Frequenztherapeut, Autor und Ausbildner. Seit 1994 beschäftigt er sich mit Frequenztherapie und Informationsmedizin. Auf herbert-eder.com vermittelt er verständliches Fachwissen, teilt Erfahrungen aus seiner langjährigen Praxis und beleuchtet Entwicklungen in der Frequenzforschung – mit einem verantwortungsvollen Blick auf Anwendungsmöglichkeiten und Grenzen.

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.