Last edited: October 30, 2026
Ein Chorioangiom ist eine gutartige Gefäßwucherung der Plazenta. Viele kleine Veränderungen bleiben für die Schwangerschaft ohne Folgen. Bei größeren oder stark durchbluteten Befunden muss jedoch geprüft werden, ob der zusätzliche Blutfluss den kindlichen Kreislauf belastet. Die Bezeichnung „gutartig“ beschreibt hier das Gewebe und beantwortet nicht allein die Frage nach dem Schwangerschaftsverlauf.[1,2]
Als Herbert Eder möchte ich die Begriffe verständlich einordnen, die bei einem solchen Ultraschallbefund verunsichern können. Im Mittelpunkt stehen Größe und Durchblutung, Wachstum und Zustand des Kindes sowie ein abgestimmter Kontrollplan. Weil in der Fetalmedizin auch Radiofrequenzablation beschrieben wird, ist eine sorgfältige Abgrenzung gegenüber allgemeinen Frequenzangeboten besonders wichtig.
Wo ein Chorioangiom entsteht
Die Veränderung liegt im Gewebe der Plazenta auf der kindlichen Seite. Sie besteht aus Gefäßen und zugehörigem Gewebe. Die genaue Ursache ist bislang nicht geklärt. Das Texas Children’s Fetal Center beschreibt daher keine einzelne nachgewiesene Ursache, die sich im Alltag gezielt vermeiden ließe. [2]
Für das Gespräch ist hilfreich, zwischen einer Veränderung der Plazenta und einer festgestellten Fehlbildung des Kindes zu unterscheiden. Fragen Sie, welcher Befund tatsächlich vorliegt und welche ergänzenden Untersuchungen etwas klären sollen. Aus der Bezeichnung „Plazentatumor“ allein lässt sich keine persönliche Prognose ableiten. Die Beratung sollte am sichtbaren Befund und am Schwangerschaftsverlauf ansetzen, statt aus dem Begriff selbst weitergehende Schlussfolgerungen zu ziehen.
Warum die Durchblutung für das Risiko wichtig ist
Bei einem größeren Chorioangiom kann ein Teil des kindlichen Blutes zusätzlich durch die Gefäße der Wucherung fließen. Dieser Kreislauf kann das kindliche Herz stärker beanspruchen. Mögliche Folgen sind eine Herzvergrößerung und bei ausgeprägter Belastung eine Herzschwäche. Deshalb wird nicht nur der Durchmesser der Veränderung gemessen, sondern auch untersucht, wie der kindliche Kreislauf damit zurechtkommt. [2]
Die klinischen Folgen sind nicht bei allen großen Befunden gleich. Eine retrospektive Untersuchung aus einem spezialisierten Zentrum erfasste 175 histologisch bestätigte Chorioangiome, darunter 44 große Veränderungen. Bei knapp einem Drittel der großen Befunde bestanden schwere mütterliche oder kindliche Komplikationen oder es wurde eine vorgeburtliche Behandlung erforderlich. Diese Ergebnisse betreffen eine ausgewählte Gruppe. Sie bedeuten weder, dass jedes große Chorioangiom einen Eingriff verlangt, noch dass ein unauffälliger Verlauf ohne Kontrollen vorausgesetzt werden kann. [3]
Vier oder fünf Zentimeter sind eine Orientierung, keine sichere Grenze
Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung mit 94 betroffenen Schwangeren fand einen Zusammenhang zwischen größerem Tumordurchmesser und ungünstigen Schwangerschaftsergebnissen. Ein statistisch ermittelter Grenzwert von 4,7 Zentimetern unterschied die Verläufe jedoch nur begrenzt: Die Spezifität lag bei 50 Prozent. Eine solche Auswertung eignet sich nicht als alleinige Entscheidungsregel für eine einzelne Schwangerschaft. Ein Befund oberhalb dieser Größe beweist keine Komplikation, und ein kleinerer Befund entbindet nicht von einer angemessenen Beurteilung. Weitere Ultraschallzeichen und der Verlauf bleiben wesentlich. [4]
Lassen Sie sich daher erklären, was Ihre Größenangabe zusammen mit den übrigen Messungen bedeutet. Eine geringe Differenz zwischen zwei Untersuchungen sollte im Zusammenhang bewertet werden. Fragen Sie nicht nur „Ist es größer geworden?“, sondern auch „Hat sich die Bedeutung für die Versorgung meines Kindes verändert?“. Diese zweite Frage verbindet den Messwert mit der tatsächlich anstehenden Entscheidung.
Wie der Befund erkannt und abgegrenzt wird
Ultraschall und Farbdoppler können eine umschriebene Veränderung der Plazenta und ihre Gefäßversorgung darstellen. In einer 2026 veröffentlichten Klinikserie wurden die vorgeburtlichen Diagnosen auf dieser Grundlage gestellt und nach der Geburt durch die Gewebeuntersuchung bestätigt. Die Bildgebung muss zugleich klären, ob tatsächlich ein Chorioangiom oder eine andere Plazentaveränderung vorliegt. Eine einzelne Aufnahme ohne fachliche Einordnung reicht für diese Unterscheidung nicht aus. [5]
Kleine Veränderungen können während der Schwangerschaft unentdeckt bleiben. Eine ältere Studie zu 23 nach der Geburt histologisch bestätigten Fällen zeigte, dass nicht alle zuvor im Routineultraschall erkannt worden waren. Das erklärt, warum manche Familien erst durch die Untersuchung der Plazenta nach der Geburt von einem Chorioangiom erfahren. Ein nachträglich gefundener kleiner Befund ist anders zu bewerten als ein bereits vorgeburtlich auffälliger, stark durchbluteter Tumor mit Kreislaufzeichen. [6]
Was bei Verlaufskontrollen untersucht wird
ISUOG nennt neben Größe und Durchblutung des Chorioangioms insbesondere das Wachstum des Kindes, die Fruchtwassermenge sowie Zeichen einer Blutarmut oder Herzbelastung. Bei großen Befunden können Kontrollen in kurzen Abständen, etwa alle ein bis zwei Wochen, vorgesehen sein; kleinere Veränderungen werden häufig weniger engmaschig kontrolliert. Das genaue Intervall bestimmt das Betreuungsteam anhand der vorhandenen Risiken und Veränderungen. Der Plan sollte bei neuen Auffälligkeiten angepasst werden. [1]
Zur Einschätzung einer möglichen kindlichen Blutarmut kann die Blutflussgeschwindigkeit in einer Hirnarterie des Kindes mit Dopplerultraschall untersucht werden. Die 2025 bestätigte SMFM-Leitlinie nennt diese Methode für entsprechend gefährdete Schwangerschaften. Ein auffälliger Dopplerbefund ist Teil einer fachärztlichen Beurteilung; er ist keine eigenständig aus einer Zahl abzulesende Diagnose. Bei Verdacht auf schwere Anämie gehört die weitere Abklärung in ein Zentrum mit Erfahrung in invasiver Fetaltherapie. [7]
Welche Komplikationen gezielt gesucht werden
Mögliche Komplikationen sind kindliche Blutarmut, eine erhöhte Fruchtwassermenge und Hydrops, also Flüssigkeitsansammlungen im kindlichen Körper. ISUOG nennt außerdem mütterliche Präeklampsie und das seltene Spiegelsyndrom. Die Kontrollen sollen solche Entwicklungen frühzeitig erkennen. [1]
Beobachtung kann eine begründete Behandlungsstrategie sein
In einer 2026 veröffentlichten Serie von 20 Schwangerschaften waren die meisten Chorioangiome groß. Trotzdem wurden 16 Fälle ohne vorgeburtlichen Eingriff betreut. Die Studie dokumentierte zugleich Frühgeburten und den Bedarf an Neugeborenenintensivmedizin. Ihr Umfang ist klein, und die Ergebnisse lassen sich nicht als allgemeine Erfolgsquote verwenden. Sie zeigen aber, dass eine sorgfältige Überwachung eine aktive Entscheidung sein kann und nicht automatisch bedeutet, ein vorhandenes Problem zu ignorieren. [5]
Bitten Sie bei einer geplanten Beobachtung um klare Kriterien: Welche Befunde würden zu einer zusätzlichen Untersuchung führen? Wann wäre eine Überweisung oder ein Eingriff zu erwägen? Wer ist außerhalb der Sprechzeiten erreichbar? Ein solcher Plan macht das Abwarten nachvollziehbar. Er sollte sowohl die nächsten vorgesehenen Kontrollen als auch das Vorgehen bei neuen Beschwerden enthalten.
Welche Eingriffe in besonderen Situationen möglich sind
Bei einer schweren kindlichen Blutarmut kann eine Bluttransfusion vor der Geburt erforderlich werden. Die Entscheidung berücksichtigt unter anderem den Zustand des Kindes und das Schwangerschaftsalter. Die SMFM-Leitlinie fordert dafür spezialisierte Erfahrung und eine Abwägung gegenüber einer gegebenenfalls bereits günstigeren Entbindung. Nicht jedes auffällige Messergebnis führt unmittelbar zu einer Transfusion. [7]
Andere Verfahren zielen darauf, den Blutfluss durch das Chorioangiom zu unterbrechen. Eine Klinikserie mit 34 großen Chorioangiomen beschrieb unter anderem fetoskopische Laserbehandlungen, interstitielle Laserbehandlung und Radiofrequenzablation. Die Auswahl hing von Lage, zuführenden Gefäßen und dem Abstand zum Nabelschnuransatz ab. Neun Schwangerschaften wurden invasiv behandelt; diese Gruppe hatte bereits häufiger Zeichen einer drohenden kindlichen Beeinträchtigung. Die beobachteten Ergebnisse von behandelten und unbehandelten Fällen lassen sich deshalb nicht als einfacher Beweis für Überlegenheit einer Strategie vergleichen. [8]
Ein publizierter Fall mit Radiofrequenzablation zeigt zugleich die Anforderungen an solche Eingriffe: Nach der Behandlung trat eine akute kindliche Kreislaufverschlechterung auf, die eine sofortige Entbindung erforderte. Das Kind konnte später aus der Neugeborenenversorgung entlassen werden. Dieser Einzelfall begründet keine allgemeine Empfehlung für die Methode. Er verdeutlicht, weshalb Nutzen, Risiken und die Möglichkeit einer raschen geburtshilflichen und neonatologischen Versorgung vorab gemeinsam geplant werden müssen. [9]
Welche Beschwerden Sie sofort melden sollten
Wenn Ihr Kind sich deutlich weniger als gewohnt bewegt, Sie keine Bewegungen mehr wahrnehmen oder sich sein übliches Bewegungsmuster verändert, kontaktieren Sie sofort Ihre Hebamme oder Geburtsklinik. Warten Sie nicht bis zum nächsten Tag oder bis zum geplanten Ultraschalltermin. Der NHS empfiehlt bei solchen Veränderungen eine unmittelbare Beurteilung. Das gilt unabhängig davon, ob ein Chorioangiom bereits bekannt ist. [10]
Auch anhaltend starke Kopfschmerzen, neue Sehstörungen, Schmerzen unter den Rippen, plötzlich ausgeprägte Schwellungen oder ein starkes Krankheitsgefühl müssen in der Schwangerschaft dringend abgeklärt werden. Solche Beschwerden können unter anderem auf eine Präeklampsie hinweisen. Wenden Sie sich unmittelbar an die Geburtsklinik; bei schwerem Zustand oder einem akuten Notfall rufen Sie in Österreich die Rettung unter 144. [11]
Geburt und Versorgung danach vorausplanen
Bei komplizierten Verläufen empfiehlt das Texas Children’s Fetal Center eine abgestimmte Geburtsplanung mit entsprechender Neugeborenenversorgung. Nach der Geburt richtet sich die Behandlung nach dem tatsächlichen Zustand des Kindes. Die Plazenta kann pathologisch untersucht werden, um die Diagnose zu bestätigen. Besprechen Sie rechtzeitig, welche Versorgung in Ihrer Situation erforderlich ist. [2]
Die Studie aus dem Jahr 2023 erfasste den späteren Zustand überlebender Kinder zusätzlich durch telefonische Befragungen. Insgesamt wurde deren längerfristiger Verlauf als überwiegend günstig beschrieben. Diese Information ist ermutigend, aber durch die rückblickende Erhebung und die Angaben der Eltern begrenzt. Die weitere kinderärztliche Betreuung sollte daher vom tatsächlichen Verlauf und den Bedürfnissen des Kindes ausgehen, nicht allein vom früheren Plazentabefund. [3]
Nehmen Sie zum nächsten Termin eine kurze Fragenliste mit: Wie lautet die genaue Diagnose? Sind Kreislauf, Wachstum und Fruchtwassermenge derzeit unauffällig? Welche Veränderung würde die Planung beeinflussen? Wo soll die Geburt stattfinden, und wen erreichen Sie bei Sorgen? Eine nachvollziehbare Antwort auf diese Fragen ist für den Alltag hilfreicher als der Vergleich Ihrer Schwangerschaft mit einzelnen besonders schweren Fallberichten.
Fetalmedizinische Radiofrequenz ist ein spezialisierter Eingriff
Bei ausgewählten komplizierten Chorioangiomen werden Verfahren erwogen, die die Blutversorgung der Veränderung unterbrechen. Laserbehandlung oder Radiofrequenzablation erfolgen in hoch spezialisierten Zentren; sie benötigen Bildkontrolle, eine sorgfältige Risikoabwägung und eine vorbereitete Versorgung für Mutter und Kind. Ein einzelner günstiger Verlauf begründet keine allgemeine Empfehlung. Die im Original beschriebenen Fallserien enthalten zudem unterschiedlich stark betroffene Schwangerschaften, sodass einfache Erfolgsvergleiche irreführend wären.[8,9]
Diese Verfahren liefern keinen Wirksamkeits- oder Sicherheitsnachweis für frei verwendete Frequenzgeräte in der Schwangerschaft. Mein Beitrag Scientific Studies on Frequency Therapy erklärt, warum Methode, Zielgruppe und untersuchtes Ergebnis zusammen betrachtet werden müssen. Der Überblick Tumorursachen und ihre Grenzen der Einordnung hilft außerdem, einen gutartigen Plazentabefund von pauschalen Erklärungen für Krebs abzugrenzen.
Für Ihre nächste Besprechung sind die konkreten Verlaufsmessungen entscheidend: Gibt es Hinweise auf Blutarmut, Herzbelastung oder veränderte Fruchtwassermenge? Wer koordiniert die Kontrollen und wo soll die Geburt stattfinden? Neue Beschwerden oder deutlich veränderte Kindsbewegungen gehören unmittelbar mit der Geburtsklinik besprochen, auch wenn ein weiterer Ultraschalltermin bereits vereinbart wurde.
Sources and Further Information
- ISUOG: Placental Chorangioma, patient information, updated March 2025. Retrieved October 28, 2026.
- Texas Children’s Fetal Center: Chorioangioma. Retrieved October 28, 2026.
- Ma et al.: Placental chorioangioma and pregnancy outcome – ten-year retrospective study, 2023. Retrieved October 28, 2026.
- Wu et al.: Chorioangioma diameter and adverse pregnancy outcomes – retrospective study, 2025. Retrieved October 28, 2026.
- Bhutia et al.: Perinatal Outcomes of Placental Chorangioma – single-center study, June 2026. Retrieved October 28, 2026.
- Pregnancy outcomes and ultrasound diagnosis in histologically proven placental chorioangioma, 2011. Retrieved October 28, 2026.
- SMFM Clinical Guideline 8: Fetal anemia diagnosis and management, reaffirmed 2025. Retrieved October 28, 2026.
- Management of large placental chorioangioma: Two-port laser approach – retrospective cohort, 2023. Retrieved October 28, 2026.
- Radiofrequency ablation of giant placental chorioangioma with fetal hydrops – case report. Retrieved October 28, 2026.
- NHS: Your baby’s movements. Retrieved October 28, 2026.
- NHS: Pre-eclampsia. Retrieved October 28, 2026.
Topic Overview: Understanding Tumors.



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