Long COVID und Mitochondrien: Forschung und Frequenztherapie

Edited on October 30, 2026

Veränderungen des Energiestoffwechsels werden bei Long COVID intensiv untersucht. Befunde aus akuten schweren Infektionen, Muskelproben ausgewählter Erkrankter und kontrollierten Behandlungsstudien dürfen dabei nicht gleichgesetzt werden. Ein einzelner Mechanismus erklärt bislang nicht alle Verläufe. [1][3][4]

Als Herbert Eder ordne ich Frequenztherapie anhand klinischer Ergebnisse ein. Ein anschauliches Versprechen, Mitochondrien zu reparieren, benötigt einen eigenen Nachweis an vergleichbaren Patientengruppen.

Welche Aufgabe Mitochondrien haben

Mitochondrien sind abgegrenzte Bestandteile vieler Körperzellen. Sie stellen einen großen Teil der chemischen Energie bereit, die Zellen für ihre Arbeit benötigen. Diese Energie wird unter anderem in Adenosintriphosphat, kurz ATP, verfügbar gemacht. Besonders energiebedürftige Gewebe besitzen viele Mitochondrien. Der häufig verwendete Vergleich mit Kraftwerken beschreibt diese Funktion anschaulich, bildet aber nicht alle Aufgaben und Zusammenhänge innerhalb einer Zelle ab. [2]

Daraus folgt eine nachvollziehbare Forschungsfrage: Können Veränderungen dieser Prozesse zu einer eingeschränkten Belastbarkeit beitragen? Davon zu unterscheiden ist die persönliche Diagnose. Dass Mitochondrien grundsätzlich Energie bereitstellen, bedeutet noch nicht, dass bei jeder erschöpften Person derselbe Defekt vorliegt oder mit demselben Mittel behandelt werden kann.

Was eine Studie zur akuten Infektion zeigt

Guarnieri und sein Team untersuchten 2023 menschliche Proben aus dem Nasen-Rachen-Raum, Gewebe verstorbener COVID-19-Patientinnen und -Patienten sowie Tiermodelle. Sie fanden Veränderungen in der Aktivität von Genen, die mit mitochondrialen Funktionen zusammenhängen. In einigen Organen bestanden solche Veränderungen auch dann, wenn kein Virus mehr nachgewiesen wurde. Die Untersuchung liefert Hinweise auf biologische Abläufe bei COVID-19. Sie war jedoch keine Behandlungsstudie und keine repräsentative Untersuchung aller Menschen mit Long Covid. [3]

Gerade die Herkunft der Proben ist für die Interpretation wichtig. Befunde aus einer schweren akuten Erkrankung oder aus Gewebe nach einem tödlichen Verlauf lassen sich nicht unmittelbar auf einen Menschen übertragen, der nach einem zunächst milden Infekt anhaltende Beschwerden entwickelt. Ein möglicher Zusammenhang muss in der jeweils passenden Patientengruppe weiter überprüft werden.

Was die Muskeluntersuchung von Appelman ergab

Eine 2024 veröffentlichte Studie untersuchte Muskelgewebe und Blut bei Menschen mit Long Covid und Belastungsintoleranz vor und nach einer maximalen körperlichen Belastung. Dabei fanden sich unter anderem Veränderungen des Muskelstoffwechsels, eine geringere oxidative Energiebereitstellung und zusätzliche Auffälligkeiten nach dem Auslösen einer Symptomverschlechterung. Die untersuchte Gruppe war klein und gezielt ausgewählt. Die Ergebnisse stützen die Erforschung körperlicher Mechanismen, beantworten aber nicht, ob jeder Mensch mit Long Covid dieselben Muskelveränderungen hat. [4]

Über die Interpretation wurde anschließend wissenschaftlich diskutiert. In ihrer Antwort von 2025 betonten die Forschenden, dass die Unterschiede aus ihrer Sicht nicht allein durch Trainingsmangel erklärt würden. Gleichzeitig stellten sie klar: Ihre Studie prüfte nicht die Wirksamkeit eines Trainingsprogramms und zeigte nicht, dass jede Form von Bewegung bei allen Betroffenen schädlich sei. Für die Versorgung sind deshalb individuelle Belastungsgrenzen und das Vorliegen von PEM entscheidend. [5]

PEM verändert die Frage nach Bewegung

Post-exertionelle Malaise, kurz PEM, bezeichnet eine Verschlechterung nach körperlicher oder geistiger Belastung. Diese kann zeitlich verzögert auftreten und länger anhalten. Betroffene berichten dabei nicht nur über Müdigkeit, sondern beispielsweise auch über stärkere Schmerzen oder kognitive Probleme. Die Patienteninformation der Leeds Teaching Hospitals beschreibt, weshalb es hilfreich sein kann, Aktivitäten und anschließende Beschwerden gemeinsam zu betrachten, statt nur das Befinden während einer Tätigkeit zu bewerten. [9]

Eine 2026 im European Respiratory Journal veröffentlichte Leitlinie empfiehlt personalisierte Rehabilitation nach vorheriger Prüfung auf PEM. Bei vorhandener PEM stehen Belastungsmanagement, Ruhe und Pacing im Vordergrund. Die Empfehlungen beruhen überwiegend auf begrenzter Evidenz. Ein allgemeiner Plan, der die Belastung unabhängig von einer Verschlechterung regelmäßig steigert, lässt sich daraus nicht ableiten. Auch eine biologische Erklärung der Erschöpfung ersetzt diese individuelle Einschätzung nicht. [10]

Für die Vorbereitung eines Termins genügt oft ein einfaches Beispiel: Was haben Sie getan, wann ging es Ihnen schlechter und wie lange hielt das an? Berücksichtigen Sie auch Gespräche, Bildschirmarbeit und Wege zu Terminen. Ein Protokoll muss nicht lückenlos sein. Es sollte Ihnen und dem Behandlungsteam helfen, Zusammenhänge zu erkennen, ohne selbst zu einer zusätzlichen Belastung zu werden.

Warum ein normaler Laborbefund die Beschwerden nicht widerlegt

In einer Untersuchung der RECOVER-Kohorte mit mehr als 10.000 Teilnehmenden eignete sich keiner von 25 geprüften Routine-Laborwerten als verlässlicher klinischer Nachweis für Long Covid. Die Studie wurde 2024 in den Annals of Internal Medicine veröffentlicht. Das bedeutet nicht, dass Blutuntersuchungen unnötig wären: Sie können andere behandelbare Ursachen oder Begleiterkrankungen erkennen. Es bedeutet, dass ein unauffälliges Routinelabor die geschilderten Beschwerden nicht einfach ausschließt. [6]

Auch die BMG-Initiative Long COVID weist darauf hin, dass bislang kein sicherer einzelner Test die Erkrankung eindeutig nachweist. Die Abklärung orientiert sich an Beschwerden, Verlauf und möglichen anderen Erklärungen. Ein kommerziell angebotener Mitochondrien- oder Energiecheck sollte deshalb verständlich darlegen, was genau gemessen wird und wie zuverlässig das Ergebnis eine konkrete Behandlungsentscheidung verbessert. [1]

Bitten Sie bei einem auffälligen Spezialwert um eine Erklärung in Alltagssprache: Welcher Befund wurde erhoben? Ist er bei dieser Erkrankung ausreichend geprüft? Würde ohne den Test eine andere Behandlung gewählt? Diese Fragen helfen, einen interessanten Messwert von einer tatsächlich hilfreichen Untersuchung zu unterscheiden.

Coenzym Q10: Eine plausible Idee wurde kontrolliert geprüft

Coenzym Q10 ist an der mitochondrialen Energiebereitstellung beteiligt. In einer dänischen Studie wurden 121 Menschen mit Post-COVID-Beschwerden zufällig einer Behandlungsreihenfolge zugeteilt. Sie erhielten jeweils sechs Wochen Q10 und Placebo, getrennt durch eine Pause. Bei den untersuchten Symptom- und Lebensqualitätsmaßen zeigte sich kein statistisch gesicherter Vorteil von Q10 gegenüber Placebo. Die online 2022 veröffentlichte Studie liefert damit keinen überzeugenden Beleg, Q10 allgemein gegen Long-Covid-Beschwerden einzusetzen. [7]

Eine solche Untersuchung ist gerade deshalb wichtig, weil die biologische Begründung zunächst überzeugend erscheint. Wenn ein Stoff an einem Zellprozess beteiligt ist, heißt das nicht automatisch, dass die zusätzliche Einnahme eine Krankheit verbessert. Für Ihre Entscheidung zählen die Ergebnisse bei Menschen stärker als die anschauliche Beschreibung eines Stoffwechselwegs.

NAD+ erhöhen bedeutet nicht automatisch Beschwerden verbessern

Eine 2025 veröffentlichte randomisierte Studie untersuchte Nicotinamid-Ribosid, eine Vorstufe von NAD+, bei 58 Teilnehmenden mit Ausgangsuntersuchung. Die Einnahme erhöhte die gemessenen NAD+-Werte deutlich. Gegenüber Placebo zeigten sich jedoch keine statistisch gesicherten Unterschiede bei den geprüften kognitiven Ergebnissen, der Fatigue, Schlafqualität oder Stimmung. Die Studie war klein und hatte erhebliche Ausfälle. Nachträgliche Auswertungen innerhalb der behandelten Gruppen deuteten mögliche Verbesserungen an, können den fehlenden gesicherten Gruppenunterschied aber nicht ersetzen. [8]

Hier werden zwei unterschiedliche Ziele sichtbar: Ein Laborwert kann sich in die gewünschte Richtung verändern, ohne dass sich daraus ein nachgewiesener Nutzen für den Alltag ergibt. Achten Sie bei Werbung deshalb darauf, welcher Erfolg tatsächlich gemessen wurde. Mehr von einem Molekül im Blut ist eine andere Aussage als besser denken, länger stehen oder eine Alltagstätigkeit wieder verlässlich bewältigen zu können.

Wie Aussagen zu Frequenztherapie beurteilt werden können

Ein Befund über Mitochondrien begründet für sich keine Wirksamkeit eines Frequenzgeräts. Dafür müsste die konkrete Anwendung geprüft werden: welches Gerät, welche Behandlung, welche Patientengruppe und welcher Vergleich? Zudem wäre zu klären, ob sich Beschwerden und Alltagsfähigkeiten verbessern, wie lange ein möglicher Effekt anhält und ob Belastungsverschlechterungen erfasst wurden. Eine gemeinsame technische Bezeichnung macht unterschiedliche Verfahren nicht austauschbar.

Wenn Ihnen eine solche Behandlung angeboten wird, bitten Sie um die vollständige Studienangabe und um eine Erklärung, wie gut die untersuchten Personen Ihrer Situation entsprechen. Eine Pilotstudie kann Fragen für weitere Forschung liefern. Sie erlaubt jedoch nicht automatisch ein allgemeines Versprechen, Mitochondrien zu reparieren oder Long Covid ursächlich zu heilen. Vereinbaren Sie vor einem möglichen Versuch auch Aufwand, Kosten und klare Abbruchkriterien.

Was unterstützende Versorgung leisten soll

Die WHO beschreibt eine an individuellen Beschwerden ausgerichtete Versorgung. Dazu können symptomatische Behandlung, Unterstützung beim Umgang mit begrenzter Energie, geeignete Hilfsmittel und Anpassungen in Arbeit oder Haushalt gehören. Bei einer Verschlechterung kann eine vorübergehende Verringerung von Aktivitäten nötig sein. Die Versorgung muss nicht warten, bis sämtliche Krankheitsmechanismen geklärt sind; gleichzeitig sollten neue Beschwerden auf eigenständige behandelbare Erkrankungen geprüft werden. [11]

Auch die österreichische Long-Covid-Leitlinie der Karl Landsteiner Privatuniversität betont die individuelle Planung anhand von Befunden, Leidensdruck und Möglichkeiten der Betroffenen. Begleitung soll auch bei noch unklarer Symptomatik erfolgen. Bei nicht ausreichend überprüften Angeboten sollen fehlende Wirksamkeitsbelege und mögliche Schäden offen angesprochen werden. Das schafft eine Grundlage, auf der Beschwerden ernst genommen und Behandlungsentscheidungen dennoch kritisch geprüft werden können. [12]

Praktisch können Sie für den nächsten Termin drei Anliegen festhalten: Welche Beschwerde schränkt mich am stärksten ein? Welche Belastung löst zuverlässig eine Verschlechterung aus? Welche konkrete Unterstützung würde den Alltag erleichtern? Besprechen Sie außerdem alle bereits verwendeten Präparate und Geräte. Eine gemeinsame Übersicht ist hilfreicher als mehrere unverbundene Versuche, deren Wirkungen sich später kaum zuordnen lassen.

Forschung verfolgen, ohne jeden Befund zur Therapie zu machen

Mitochondrienforschung kann helfen, Long Covid besser zu verstehen. Für eine persönliche Entscheidung bleiben jedoch weitere Schritte nötig: passende Patientengruppen, verlässliche Vergleichsstudien und Ergebnisse, die für Erkrankte tatsächlich etwas verändern. Sie dürfen auf Fortschritte hoffen und zugleich verlangen, dass ein Angebot seine Grenzen erklärt. Ein guter Behandlungsplan verbindet diesen kritischen Blick mit konkreter Hilfe für die Belastungen, die Sie heute erleben.

Mitochondrien und Frequenztherapie: Mehr NAD+ ist nicht automatisch mehr Alltagstauglichkeit

Die untersuchte NAD+-Vorstufe erhöhte den Biomarker, ohne gegenüber Placebo gesicherte Unterschiede bei den geprüften Beschwerden zu zeigen. Auch die Q10-Studie ergab keinen statistisch gesicherten Vorteil für ihre klinischen Endpunkte. Biochemische Plausibilität und belegte Hilfe sind deshalb getrennte Schritte. [7][8]

Die genannten Arbeiten liefern keinen Wirksamkeitsbeleg für allgemeine Frequenzprogramme zur Behandlung von Long COVID. Bei einem Zusatzversuch wären auch verzögerte Verschlechterung und Gesamtaufwand zu erfassen. Vorhandene PEM verändert die Planung von Belastung und Rehabilitation und darf nicht als bloßer Trainingsmangel übergangen werden. [5][9][10]

Related in-depth study in the subject area of frequency therapy and health education: Long COVID und klinische Grenzen von Frequenzangeboten · Mastzellhypothese: Symptomüberschneidung und Nachweise trennen.

Sources and Further Information

  1. BMG-Initiative Long COVID: Wissenswertes für Erkrankte und Interessierte, aktualisierte Abschnitte September 2026. Retrieved October 28, 2026.
  2. National Human Genome Research Institute: Mitochondria. Retrieved October 28, 2026.
  3. Guarnieri JW et al.: Core mitochondrial genes are down-regulated during SARS-CoV-2 infection of rodent and human hosts. Science Translational Medicine, 2023. Retrieved October 28, 2026.
  4. Appelman B et al.: Muscle abnormalities worsen after post-exertional malaise in long COVID. Nature Communications, 2024. Retrieved October 28, 2026.
  5. Appelman B et al.: Reply: Muscle abnormalities in Long COVID. Nature Communications, 2025. Retrieved October 28, 2026.
  6. Erlandson KM et al.: Differentiation of Prior SARS-CoV-2 Infection and Postacute Sequelae by Standard Clinical Laboratory Measurements in the RECOVER Cohort. Annals of Internal Medicine, 2024. Retrieved October 28, 2026.
  7. Hansen KS et al.: High-dose coenzyme Q10 therapy versus placebo in patients with post COVID-19 condition. Lancet Regional Health Europe, online 2022, Ausgabe 2023. Retrieved October 28, 2026.
  8. Wu CY et al.: Effects of nicotinamide riboside on NAD+ levels, cognition, and symptom recovery in long-COVID. EClinicalMedicine, 2025. Retrieved October 28, 2026.
  9. Leeds Teaching Hospitals NHS Trust: Long Covid rehabilitation booklet, Abschnitte zu PEM und Pacing. Retrieved October 28, 2026.
  10. Clinical practice guideline for long COVID prevention and treatment. European Respiratory Journal, 2026. Retrieved October 28, 2026.
  11. WHO: Post COVID-19 condition (long COVID), Fact sheet vom 26. Februar 2025. Retrieved October 28, 2026.
  12. Karl Landsteiner Privatuniversität: Long-Covid-Leitlinie, Empfehlungen auf einen Blick. Retrieved October 28, 2026.
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Herbert Eder
Herbert Eder is a frequency researcher, frequency therapist, author, and instructor. He has been working in the fields of frequency therapy and information medicine since 1994. On herbert-eder.com, he provides accessible expert knowledge, shares insights from his many years of practice, and highlights developments in frequency research—while taking a responsible approach to potential applications and limitations.

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